Let’s talk about… Burnout.

Vom Manager bis zur Mutter: Burnout (be)trifft alle sozialen Schichten. Kann man sich davor schützen? Und wenn ja: wie?

Die totale Erschöpfung, man mag einfach nicht mehr, fühlt sich ausgebrannt. Ein Burnout wird meist ausgelöst durch eine intensive Stressphase, die nicht enden will.

„Das wird schon wieder!“ – …und wie?

Erholung und Pausen werden rar oder finden gar nicht mehr statt, man fühlt sich überarbeitet, überhört und würde sich am liebsten mit einer Decke über dem Kopf ins Bett zurückziehen und das Leben an einem vorbeiziehen lassen.

Das ist der Punkt, an dem gar nichts mehr geht. Auch liebevoll gemeinte Kommentare wie „Das wird schon wieder!“ nützen nichts, ausser dass der/die Betroffene sich noch tiefer verkriechen möchte.

Ich höre es von allen Seiten, immer häufiger, immer lauter.

Es scheint mir, dass sich so viele in einem Erschöpfungszustand befinden und sich erst (zu) spät trauen, darüber zu sprechen. Oft erst dann, wenn gar nichts mehr geht. Dann, wenn der Krankenwagen vorfahren muss, weil man sich nicht mehr bewegen kann. Oder man einfach nicht mehr zur Arbeit erscheint.

Auch der gerade von mir porträtierte Fotograf Beat Mumenthaler hat erlebt, wie es ist, wenn der Druck auf den Schultern immens wird und man sich selber nicht mehr wiedererkennt in der Person, die einfach nur noch ausführt.

Bei Mumenthaler war es der Umstand, dass er als Lehrer nicht damit klar kam, dass das Schulsystem häufig sehr starr erscheint und Schüler strikt einteilt anhand ihrer Noten, er als Bezugsperson sich für die Schüler aber mehr interessierte als ob sie schultechnisch die Anforderungen erfüllten.

Eine solch emotional belastende Situation kann genauso zu einem Burnout führen wie eine Trennung oder der Druck eines Geschäftsführers, der sich isoliert und alleine fühlt, wenn die Aufträge bachab gehen.

Haben wir – in unserem Drang, uns zu perfektionieren – vergessen, uns um uns zu kümmern?

Sind Abende und Wochenenden nicht sehr häufig auch belastet und dienen in keinster Weise mehr dazu, sich abzulenken und einfach mal im wahrsten Sinne des Wortes abzuschalten? Genau das ist es ja eigentlich, was der Körper einfordert, wenn er ausgebrannt ist. Ruhe und Erholung. Ob man will oder nicht.

Beat Mumenthaler hat nach einer Erschöpfungsdepression sein Leben radikal geändert. Er ist nicht mehr Lehrer sondern Fotograf. Statt sich am vielleicht manchmal sturen Schulsystem aufzureiben, setzt er seine Sensibilität ein, um Menschen pur zu zeigen, in ihrer ganzen Verletzlichkeit. HIER geht es zum Interview mit ihm.

Mumenthaler sagt, es könne ihm nie wieder passieren, dass er ein Burnout erleiden würde. Sein Alarmsystem: Er lässt es gar nicht erst so weit kommen.

Lasst uns diese wichtige Diskussion führen.

Gerne würde ich von euch hören, wann ihr euch belastet oder überfordert fühlt, was euch dagegen hilft und welche Alarmsysteme ihr für euch nutzt, damit eure Leidenschaft nicht plötzlich nur noch Leiden schafft. Schreibt unten in die Kommentarspalte oder – wer dies nicht öffentlich tun möchte – über „Kontakt“ per E-Mail.

Aus den Erfahrungsberichten und Rückmeldungen würde ich – natürlich anonymisiert – gerne einen Folgeartikel verfassen.

Ich bin gespannt auf eure Art, mit Druck und Erschöpfung umzugehen.

Text: Anna Maier
Bild: Jean-Pierre Ritler

 

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1. Mai 2019
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Kommentare

  • Avatar
    Tanja Micheli
    REPLY

    Heikles Thema…ich hatte noch nie eine Erschöpfungsdepression und werde mich hüten zu sagen dass es mir nie passieren kann…ich arbeite als Pflegefachfrau in einer Führungsposition in einer Universitätsklinik. Ich habe sowohl als Arbeitskollegin sowie als Führungskraft diverse Personen mit Erschöpfungsdepression im Team gehabt und auch Führungspersonen damit erlebt, zum Teil mit sich wiederholenden Klinikaufenthalten. Da habe ich mich oft gefragt wieso die Therapien nicht greifen…und fühlte mich manchmal schuldig als Chefin…habe ich etwas verpasst, nicht wahrgenommen, zuviel verlangt? Inwiefern bin ich verantwortlich für die Gesundheit auf verschiedenen Ebenen bei meinen Mitarbeitern? Und je mehr ich mich hinterfragt habe desto mehr fiel mir auf, dass ich immer wieder über ein Thema stolperte, bei jeder einzelnen Situation, insgesamt waren es 5 Menschen, die ich von Beginn an miterlebte: Selbstverantwortung. Immer wieder waren die Umstände schuld. Der Betrieb. Die Strukturen die nicht passten. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit die nicht funktioniert. Der Chefarzt dem wir gleichgültig seien…und so weiter. Und alle waren auch im Privatleben wahnsinnig engagiert Dies ist nicht wertend gemeint. Und das Wahrnehmen der Selbstverantwortung? Seine eigenen Grenzen erkennen und äußern? Sich selber gegenüber gnädig sein, mild, sich selber nicht mehr überfordern, nein sagen lernen? Sich fragen, was brauche ich um die Selbstverantwortung wahrnehmen zu können? Wie kann ich mich selber stärken, den Mut entwickeln um meine Bedürfnisse selber zu erfüllen, damit ich nicht andere dafür verantwortlich machen muss? Das braucht es nämlich, Mut, um für sich selber einzustehen. Wir sind zu oft in der Aussenwahrnehmung, suchen die Gründe außen und machen das Aussen verantwortlich für unsere Befindlichkeit. Ebenso ob die Therapien greifen oder nicht: ich muss etwas dafür tun und nicht darauf warten dass es von alleine passiert. Dabei liegt der Hauptanteil für unsere gesamte Gesundheit in der eigenen Verantwortung, ich darf nicht anderen die Schuld geben wenn es mir nicht gut geht. Damit ich richtig verstanden werde: ich möchte mit meinem Kommentar niemandem zu Nahe treten oder gar psychische Erkrankungen in irgendeiner Form herunterspielen. Es geht mir viel mehr darum, das was ich aus der Reflexion dieser Erlebnisse für mich für Lehren gezogen habe ohne einen eigenen Tiefpunkt erlebt zu haben. Diese Menschen haben mich auch persönlich geprägt, mich mit Fragen konfrontiert, die mich zum Nachdenken brachten. Daraus konnte ich Erkenntnisse für mich ziehen, ich lernte mich zu achten und meine Grenzen wahrzunehmen. Ich suche bewusst regelmäßig die Stille und das Alleinsein, sogar sehr oft, damit ich mich eben stärken kann für all das Aussen. Damit hoffe ich, meine psychische Gesundheit erhalten zu können. Garantie gibt es glaube ich keine…

    8. Mai 2019

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