Folgen wir unserem Instinkt oder hinterfragen wir zu sehr?

Liebe Leser

Die neuesten vier Gespräche stehen bereit: KeineHochglanzmenschen aus München!

Ich bin stolz auf die Vielseitigkeit dieser vier Menschen, die ich zum Interview getroffen habe, KeineHochglanzmenschen eben. In diesem Falle vier Persönlichkeiten, die Hochs und Tiefs durchlebt und diese Achterbahnfahrt in Stärke umgewandelt haben. Menschen, die in diesem Falle alle mehr oder weniger in der Öffentlichkeit stehen und standen.

Gerne möchte an dieser Stelle definieren, was ich unter diesem vielleicht etwas holprigen Ausdruck „KeineHochglanzmenschen“ verstehe:

KeineHochglanzmenschen heisst für mich nicht, dass diese nicht auch in den Hochglanzmagazinen stattfinden.

KeineHochglanzmenschen heisst für mich, dass hier Menschen zu Wort kommen, die

  • eine aussergewöhnliche Lebensgeschichte haben,
  • inspirierend sind in der Art, wie sie ihr Leben angehen,
  • nicht irgendwelche Übermenschen sind, weit entfernt von unserem „Normalo“-Leben, sondern ähnliches erleben und durchmachen wie du und ich,
  • eine Meinung vertreten – welche weder meine sein muss, noch massentauglich,
  • zu Diskussionen anregen.

Ich persönlich vertrete klar die Meinung, dass wir alle die Andersartigkeit unserer Mitmenschen nicht nur akzeptieren sondern vielmehr unterstützen sollten, in dem wir uns ihre Standpunkte anhören. Manchmal sind wir doch alle viel zu festgefahren in unseren Ansichten, dass andere Meinungen zuerst mal abgewehrt werden, anstatt dass man versucht, die eigene vielleicht umzuwerfen, wenn eine gute Argumentation uns dazu bringt, etwas aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.

Oder wollen wir uns vorwerfen lassen, dass wir engstirnig sind?

Die vier Menschen, die ich für den Monat April getroffen habe, sind allesamt aus München:

Sie alle kennen – zum Teil radikale – Brüche im Leben:

Nina Ruge war das bekannte Gesicht der ZDF-Gesellschaftssendung „Leute heute“ und hat dann, um mehr Zeit für sich, ihr Privatleben und ihre persönliche Entfaltung zu haben, gekündigt. Heute schreibt sie Bücher, in denen sie ehrlich und schonungslos auf ihre eigene Familiengeschichte und das Fernsehbusiness blickt, zeitgleich auch Gedanken zum Leben, die wir uns alle vielleicht auch schon gemacht haben, anstösst und weiterdreht. Eine reflektierte Person, die weit weg ist vom Glamour-Image, das zuweilen noch an ihr klebt.

Leslie Mandoki flüchtete 1975 aus dem damals kommunistischen Ungarn. Er träumte von der Freiheit und fand sie: In Deutschland, der Welt, aber vor allem in sich selbst. Der Mann mit dem markanten Schnauzbart hat sich einen Namen gemacht als Produzent von weltbekannten Musikern, aber auch als politischer Netzwerker. In seinem Haus traf sich kürzlich der umstrittene ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán mit deutschen Persönlichkeiten. Mandoki agierte als Bindeglied. Im Gespräch macht Mandoki Aussagen, die auf den ersten Blick als politisch inkorrekt gewertet werden könnten. Wer sie aufmerksam liest, sieht aber vielleicht auch das Verbindende. Am besten macht man sich sein eigenes Bild.

Michael von Hassel, der sich auch mit 40 noch etwas jugendlich Unverbrauchtes bewahrt hat. Nach einer kurzen Bank-Karriere, widmete er sich seiner Leidenschaft, die alle seine – in Deutschland illustren – Vorfahren teilten: der Fotografie. Seine Geschichte liest sich unwirklich: Von Beginn weg verkauften sich seine Werke so gut, dass er davon leben konnte. Mit dem Erlös reist er um die Welt an die Orte, die von vielen gemieden werden: nach Sibirien, Nordkorea, in den Kaukasus. Der Grund für seine Abenteuerreisen: Er will sich persönlich eine Meinung bilden, vor Ort, im Gespräch mit den Menschen. Das Schicksal hat auch bei ihm zugeschlagen: der plötzliche Tod seines Vater hat vieles verändert.

Marko Kathol:Als begnadeter Tenor und Tänzer machte er international Karriere, wollte auf jeder Bühne tanzen mit dem verführerischen Begleitgedöns von Ruhm, Ehre, Applaus. Bis er irgendwann nicht mehr aufstehen mochte. Burnout. Die von gewissen Spöttern als Mode-Diagnose verschriene Krankheit sucht sich ihre Opfer in jeder Gesellschaftsschicht aus. Wer drinsteckt oder Anzeichen davon schon selber erlebt hat, der weiss, wie ein depressiver Erschöpfungszustand einem total aus der Bahn schmeissen kann. Wie er mit 48 einen Neuanfang gewagt hat in einem komplett neuen Beruf, fernab der Bühne.

 

Wie ich die Menschen für meine Website auswähle, werde ich gerne gefragt. Es sind alles Menschen, die mich berühren, Menschen, die extrem sind. Durch ihren Willen, unbeirrt ihren Weg zu gehen, ihrem Instinkt zu vertrauen und nicht alles endlos zu hinterfragen. Falls du auch zu den Personen gehörst, die sich ständig fragen: „Soll ich, soll ich nicht?“ – Diese vier Personen sind in meinen Augen hervorragende Beispiele von Machern, die sich wenig darum scheren, was „die andern wohl denken könnten“, Schubladendenken ist ihnen ein Fremdwort. Glauben wir einfach daran, dass das Glück die belohnt, die etwas wagen. Denn wer weiss schon, was auf der anderen Seite der Tür wartet? Mut zeigen, durchschreiten!

In diesem Sinne:

„Lasst uns lesen und lasst uns tanzen – zwei Freuden, welche der Welt niemals einen Schaden zufügen werden.“
Voltaire

Viel Spass bei der Lektüre. Ich freue mich auf zahlreiche Kommentare.

Anna Maier

Bilder: Jessica Kassner

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1. April 2018
„Und plötzlich habe ich es nur noch gehasst.“ Marko Kathol, Tenor und Chauffeur

Comments

  • Beat Merki
    REPLY

    Ich habe soeben all diese spannenden Geschichten/Interviews mit grossem Intreesse gelesen. Deine Idee und die Verwirklichung dieses „Kein Hochglanzmagazins“ ist eine tolle Sache und von Dir immer so gut verfasst, dass sich die jeweiligen Berichte einfach sehr gut lesen lassen.
    Danke Anna für diese Artikelund Interviews, ich warte schon wieder gespannt auf Deine nächsten Berichte betreffend weiterer so interessanter Personen!

    1. April 2018

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