Ich bin wieder da.

Wer seine Heimat verlässt, entwickelt häufig ein Vermissen von Vertrautem und Vertrauten. Und trotzdem – oder gerade deshalb – finde ich es so wichtig, aus dem sicheren Hafen auszubrechen und sich auf eine Auszeit einzulassen.

Es war im April 2016, als ich einen Monat auf Mallorca verbrachte. Das erste mal in meinem Berufsleben überhaupt, dass ich mir mehr als 10 Tage Ferien am Stück gönnte. Die Kinder waren natürlich mit dabei. Bis wir einigermassen angekommen waren, uns etwas auskannten und Lieblingsplätze entdeckten, war die Zeit schon um.

Eine Auszeit von allem

Ehrlicherweise muss ich sagen, dass es etwas ungeschickt von mir war, den Monat April zu wählen, in dem mittendrin noch die Moderation der Liveübertragung des „Sechseläutens“ fürs Schweizer Fernsehen auf dem Programm stand. So hiess es für mich in den ersten zwei Wochen Vorbereiten auf das Programm. Meistens in Nachtschichten. Dumm.

Der Monat war also flugs um. Als wir im Flieger sassen und über die Piste rollten, dachte ich etwas wehmütig, dass ich es nie geschafft hatte, mal länger zu reisen oder im Ausland zu leben. Etwas, dass ich doch so gerne mal gemacht hätte. Aber ihr kennt es: Es passt irgendwie einfach selten in die engmaschige Struktur eines Arbeits- und Familienlebens.

Dass sich mein Wunsch urplötzlich doch erfüllen konnte, habe ich dem Schicksal zu „verdanken“, das zuschlug in Form einer Diskushernie. Ich möchte niemanden mit meiner Krankengeschichte langweilen, aber ich hätte nicht für möglich gehalten, dass mein Körper mich schachmatt setzt.

Diskushernie und Scheidung

Das Jahr 2016 hatte es in sich, ein solches muss sich nicht wiederholen. 2017 sollte besser werden. Mein Wunsch kam wieder aufs Tapet: Eine Auszeit mit den Kindern. Mal weg von allem.

Wer mich kennt, weiss, dass ich eine Schnelle bin. Lang planen liegt mir nicht so, ich bin eher die Macherin. So sassen wir also bald zu viert im Flieger nach Palma, sieben Koffer und eine grosse Neugier im Gepäck.

Ich kann es jeder und jedem nur wärmstens empfehlen, wenn es irgendwie möglich gemacht werden kann. Eine Auszeit an einem fremden Ort schweisst zusammen – übrigens auch mit den Freunden aus der Heimat, die einem mehrere Tage besuchen kommen -, wirft einen aber auch auf sich selbst zurück.

Wurzeln schlagen

Es hat eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Sommerlager: Wer ins Ausland geht, um eine Weile zu bleiben, der versucht, Menschen unter den Gleichgesinnten zu finden, die zu einem passen. Um Freundschaften zu knüpfen, sich am neuen Ort möglichst schnell «zu Hause» zu fühlen, soweit dies eben möglich ist, wenn Sprache, Menschen und Kultur fremd sind.

Wer schon im Ausland gelebt hat, vor allem auch mit Kindern, der weiss, dass man sich schnell in der sogenannten Expats-Community einfindet. Auswanderer, die sich zusammentun, meistens lernt man sich über die internationalen Schulen kennen.

Ich werde sicher mal einen Blog zum Thema Expats schreiben. Und wäre hierfür froh, um eure Kontaktaufnahme und Erfahrungsberichte. Im Austausch mit Freundinnen habe ich nämlich bemerkt, dass es überall auf der Welt ähnlich verläuft in diesen Communities: Es ist eine Art Parallelwelt zur Gesellschaft, die unabhängig ist vom jeweiligen Land.

Man ist unweigerlich Teil davon, was einem gerade wenn man neu in einem Land ist, Sicherheit und ein Zugehörigkeitsgefühl vermittelt. Aber es gibt klare Hierarchien und Hackordnungen. Die gegenseitige Beobachtung ist auch gewährleistet. Was dann wiederum etwas unfrei sein kann. Finde ich ein spannendes Thema, das ich gerne mal etwas vertiefen würde.

Meine Erfahrung in Mallorca war – aber das nehme ich zu einem grossen Teil auf meine eigene Kappe, da ich viel zu schlecht spanisch spreche -, dass es nicht ganz einfach ist, an Einheimische heranzukommen.

Pablo Bujosa, dessen aussergewöhnliche Lebensgeschichte es HIER zu lesen gibt, ist in Mallorca aufgewachsen und sagt zu dem Thema: „Die Mallorquiner sind schon offen und akzeptieren Ausländer. Aber das geht nicht soweit, dass sie sie in ihr persönliches Leben reinlassen. Sie sagen ‚Hola‘, aber da hört es dann auch wieder auf. Ich glaube, das kommt daher, weil wir auf einer Insel leben und gerne unter uns sind. Es gibt diesen Spruch: ‚Warum setzen die Mallorquiner nicht die Blinklichter, wenn sie im Auto sitzen? Es geht niemanden etwas an, wo wir hin wollen.'“

Wieder Zuhause

Nun, ich habe während meiner Zeit auf der Insel doch immerhin die Freundschaft zu zwei Mallorquinern knüpfen können und eine paar Expat-Freundinnen im Herzen mitgenommen. Spannenderweise sind es vor allem die Schweizer, mit denen der Kontakt weiterhin rege besteht und die mich auch schon hier besuchen kamen.

Hier, das ist seit Anfang Jahr wieder die Schweiz. So sehr ich die Zeit auf der Balearen-Insel genossen habe, so sehr freue ich mich auch, wieder Zuhause zu sein. Ich wusste gar nicht, dass ich so ein Wurzelmensch bin, sagte früher sogar gern: „Ich bin wurzellos und könnte überall leben, wo meine Liebsten sind.“

Das stimmt zu einem großen Teil, aber mit den Liebsten wieder im Lieblingsland zu leben, ist noch schöner.

 

Bild: Thomas Buchwalder

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Kommentare

  • Martin
    REPLY

    Tja, wie heisst es so schön – Mallorca embraces you or spits you out…

    13. Februar 2018

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