Wenn Leidenschaft Leiden schafft.

Was passiert, wenn ein Pilot plötzlich Flugangst oder ein Skirennfahrer plötzlich Panik vor der steilen Piste hat? Nicht alles, was man gerne tut, tut auch gut. Aber kaum einer mag darüber reden.

Ja, es kann passieren. Und es passiert auch. Dass die grosse Leidenschaft plötzlich nur noch Leiden schafft.

Und ja, ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es ein noch grösseres Problem darstellt, darüber zu sprechen. Denn es geht um nicht weniger als die Existenz, die damit gefährdet ist. Als wäre es nicht genug, dass man selbst irgendwie damit klar kommen muss – den Job ist man mit Sicherheit auch los, wenn es sich um solche Extrembeispiele handelt, wie im Lead genannt.

Vom Traum zum Albtraum.

Darüber sprechen? Bestimmt nicht im grösseren Rahmen. Es macht sich doch sicherlich besser, wenn ein vorgetäuschter Grund das Karriere-Ende einläutet.

Marco „Büxi“ Büchel, Liechtensteiner Ex-Skirennprofi, sieht das anders. Und steht hin, offen, ehrlich – und verletzlich. In einer Domäne, wo seine Konkurrenz Spitznamen trug, die für Kraft und Power stehen, wie „Herminator“ (Hermann Maier, Österreich) oder „Iceman“ (Carlo Janka, Schweiz).

Wie kam es, dass Büchels grosser Traum plötzlich zum Albtraum wurde? Er liebte Skirennen wie kaum etwas anderes: „Es ist wie ein Rausch“, verriet er mir (HIER gehts zum ganzen Gespräch).

Und trotzdem wachte er eines Morgens auf und fühlte, wie ihm ein schwerer Stein auf der Brust lag. Kaum schaffte er es, sich ins Starthäuschen des anstehenden Weltcup-Rennens zu quälen: „Ich stand da und wusste nicht, wie ich lebend runterkomme.“

Angst!

Woher kam diese plötzliche Angst, die ihn richtiggehend lähmte, so dass er am liebsten das Rennen hätte sausen lassen? Er weiss es nicht. Aber sie war da. Und sie belastete ihn so sehr, dass er zwar an jenem Tag auf die Skier stieg, aber direkt danach nach Miami abhaute, um sich darüber klar zu werden, was dieses lähmende Gefühl für ihn persönlich und sein Leben bedeutete.

Für ihn, der nicht der Talentierteste war und trotzdem das Unmögliche anpeilte und Profi wurde – „Es war der Lebensinhalt!“ -, war schnell klar, dass er nur noch eine Saison fahren würde und diese auch „anständig“ mit einem Podest-Platz beenden wollte. Dieser Wunsch ging in Erfüllung: Platz 3 an der Lauberhornabfahrt in Wengen (Schweiz). Eine Hundertstelsekunde vor dem Vierten.

Und fertig.

Es kam zwar beruflich nicht die grosse Flaute – Büchel macht Kommentare und Renn-Analysen beim ZDF, erzählt in Lesungen von seiner Aktiv-Zeit als Profi-Sportler und ist Marken-Botschafter -, aber emotional brauchte er „2, 3 Jahre, um den inneren Frieden zu finden“ und damit klar zu kommen, dass er eben nun aussen vor war und nicht mehr mittendrin.

Ex-Skirennfahrer Marco Büchel mit Journalistin Anna Maier in der Razzia Bar, Zürich.

Stark!

Ich finde es stark, wie offen Marco Büchel über ein vermeintliches Tabu-Thema spricht: Die Angst. Die Angst vor dem Alltäglichen. Darf ein Skirennfahrer Angst haben, die Fahrt über den ultrasteilen Hang nicht zu überleben?

Natürlich! Aber noch viel wichtiger, dass er rechtzeitig die Handbremse zieht. Und beendet, was keine Freude mehr macht sondern Schmerzen verursacht, körperliche und seelische.

Oder um es mit den Worten Marco Büchels zu sagen: „Das Ziel ist wohl, nicht mehr einen Ersatz zu suchen für das, was war, sondern nach vorne zu schauen und glücklich zu sein über das, was man hat.“

Recht hat er.

Und ein Vorbild ist er: Seine offene Kommunikation hilft hoffentlich mit, anderen die Angst zu nehmen, über ihre Angst zu sprechen.

Lesen Sie das ganze Gespräch mit dem Liechtensteiner Ex-Skirennfahrer Marco Büchel HIER.

Text: Anna Maier 
Bilder: Jean-Pierre Ritler

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1. Oktober 2018
„Ich hatte nie das Bedürfnis, jemandem Vorwürfe zu machen.“ Priska Ming
1. November 2018
«Und plötzlich hatte ich Todesangst.» Marco Büchel, 47, Ex-Skirennfahrer

Kommentare

  • Beat Merki
    REPLY

    wiederum ein interessantes Interview mit Marco Büchel. Schön wie er offen und ehrlich seine Situation der plötzlichen Angst schildert. Danke Anna einmal mehr für diesen von Dir so toll verfassten Bericht.
    Herzliche Grüsse
    Beat

    1. November 2018
  • Beat Merki
    REPLY

    Sehr interessantes Interview mit Marco Büchel. Einmal mehr von Dir sehr gut wiedergegeben und sehr schön beschrieben in Deinem Bericht.
    Danke Anna einmal mehr für Deine tolle Arbeit mit Deinem Online Magazin.
    Herzliche Grüsse
    Beat

    1. November 2018

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