Vom Schubladisieren und Sezieren.

Enrique Steiger ist Schönheits- und Kriegschirurg. Und dann sieht er auch noch aus wie der Klischee-Arzt! In dem Mann steckt aber mehr. Viel mehr.

Was habe ich schon alles für Schlagzeilen über ihn gelesen:

Schönheit oder Tod

Das Doppelleben des Doktor Steiger

Zwischen Glamour und Granaten

Zwischen Botox und Bomben

Der Schönheitschirurg zwischen Hollywood und Afghanistan

Ganz ehrlich: Dieses offensichtliche Bedürfnis nach Effekthascherei in den Schlagzeilen, langweilt mich etwas. Sie nicht auch?

Warum soll ein gutaussehender Schönheitschirurg nicht eben auch ein Held sein? Oder täusche ich mich, wenn ich zwischen den Zeilen überraschtes Erstaunen lese, weil der Beruf nicht mit der Berufung zusammenzupassen scheint?

Ich gebe zu, auch ich war über diese zwei so differenten Welten Steigers irritiert. Ich fragte mich: Wer, der sich einfach ein schönes Leben in der Schweiz machen könnte, setzt sich freiwillig Situationen aus, in denen Patienten und Mitarbeiter vor den eigenen Augen erschossen werden, kaltblütig hingerichtet? Tut dies jemand bloss, um Aufmerksamkeit zu erregen und Lob und Wertschätzung zu erhalten (wie kritische Stimmen unterstellen)?

Ich kann es mir nicht vorstellen. Es hat meines Erachtens wenig mit gesundem Menschenverstand zu tun, wenn man ein solches Risiko in Kauf nimmt. Da muss man Vorbehalte und Ängste zur Seite schieben können, fast schon einem fanatischen Eifer folgen. Steiger nennt es «den Verhältnisblödsinn haben». Und er räumt ein:

«Man muss wohl gestört sein, wenn man das macht.»

Von bewunderndem Schulterklopfen, wie er es jeweils nach Vorträgen in der Schweiz erlebt, ist in Kriegs- und Krisengebieten wenig zu spüren. Da ist die Einreise meistens schon ein Problem, willkommen ist man – auch als Arzt – nicht. Zu skeptisch viele Menschen, die offenbar häufig annehmen, dass es stets die gegnerischen Kämpfer seien, die wieder «zusammengeflickt» würden.

Medizinpersonal und dutzende Patienten wurden vor seinen Augen erschossen. Warum es ihn noch nicht getroffen hat, weiss er nicht. Nur, dass er nie in Panik gerate, wenn es wirklich brenzlig werde. Dann laufe bei ihm alles wie in Zeitlupe ab, als ob sich das Gehirn genügend Raum schaffen wolle, um einen Überlebensplan zu entwickeln.

Wer ständig mit dem Pass unter dem Arztkittel und Geld in den Schuhen operiert, bereit, bei Gefahr das Land sofort verlassen zu können (oder es zumindest zu versuchen), der macht dies vermutlich nicht für die Schlagzeilen und die «Ahhs und Oohs» der Leserschaft, die in gemütlichen Fauteuils sitzend über die Abenteuer des Herrn Steiger liest.

Es ist wohl eine Mischung zwischen Abenteuer-Gen, Idealismus und dem Drang, zu helfen: «Weil es einen Unterschied macht, ob ich dort bin oder nicht. Ich war noch nie an einem Ort, an dem ich nicht irgendetwas zum Besseren verändern konnte.»

«Ich sehe, dass viel weniger Menschen sterben, wenn ich da bin.»

Es haben schon manche Journalisten versucht, an seinem Lack zu kratzen. Zu gut sieht er aus, zu selbstbewusst das Lächeln, der Glanz und Schein.

Er mache das alles doch nur fürs Image, habe eine Journalistin mal behauptet und sei ihm ungefragt in ein Krisengebiet gefolgt. Was sie dort gesehen hat, liess sie das Gesagte revidieren.

Die, die über den Mann, der neben Kriegsopfern eben auch die Reichen verschönert, lächeln wollen, kapitulieren meist, wenn sie mit ihm ins Gespräch kommen. Weil Steiger die Vorurteile offensichtlich gründlich seziert.

Sie wollen eine wirklich krasse Lebensgeschichte hören, die sich im Hier und Jetzt abspielt?

Holen Sie sich was zu trinken, setzen Sie sich bequem hin und lesen Sie hier:

«Wer Massaker gesehen hat, kann sein Leben nicht wie gehabt weiterführen.» Enrique Steiger, Schönheits- und Kriegschirurg

Text: Anna Maier
Bilder: Jean-Pierre Ritler

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„Wer Massaker gesehen hat, kann sein Leben nicht wie gehabt weiterführen.“ Enrique Steiger, Schönheits- und Kriegschirurg

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