Trauer und Trost – Warum Kims Schicksal alle angeht

Ich habe leise vor mich hin geheult. Die Geschichte um die Hamburger Bloggerin Kim, die im Alter von gerade mal 30 Jahren an Brustkrebs gestorben ist, hat mich aufgewühlt.

Noch nicht mal ein halbes Jahr ist es her. In der Silvester-Nacht hat sie ihren Kampf gegen den Krebs – „Zecke“ nannte sie ihn – verloren.

Eine Frau, die nicht damit gerechnet hat, dass diese „Zecke“ ihre Träume, ihre Freundschaften, ihre Liebe von einem Tag auf den andern beenden würde. Schluss, Aus, Ende. Brutal.

„Dass Kim stirbt, war für mich einfach keine Option.“

Dieser Satz stammt von Chris (seinen Nachnamen möchte er für sich behalten, um seine Privatsphäre zu schützen), er ist Kims Freund, ihr Seelenverwandter. Dieses Wort wird viel zu schnell benutzt, wenn zwei Menschen sich lieben. Aber wenn man Chris zuhört, wie er die Beziehung zu Kim beschreibt, dann möchte man dieses Wort „Seelenverwandte“ gerne schützend über die beiden legen: „Wenn der eine gefallen ist, hat der andere ihn gehalten.“

Kim und Chris. Zwei Helden.

Kim habe ich nie persönlich kennengelernt. Mit Chris habe ich ein paar Stunden verbracht, in denen er sich mir geöffnet hat. Ein junger Mann von 35 Jahren, der unglaublich gut reflektieren kann über die Situation, was die Krebserkrankung mit ihr, mit ihm, mit ihnen gemacht hat: „Manchmal habe ich mich schwer getan, in ihrer Nähe zu sein.

Ich hatte immer grosse Angst vor dem Tod. Diesen zu sehen, an einem Menschen, den man sehr liebt, das ist schwer zu beschreiben. Du realisierst, wie wertvoll das Leben ist und wie schnell es vorbei ist, und du realisierst, dass am Ende das, was du hast, nichts Wert ist, sondern nur das, was du bist.“

Chris weiss, wie es ist, als Partner hilflos daneben zu stehen, wenn die geliebte Person Höllenqualen durchleidet, neben ihr im Bett zu liegen, voller Angst, dass sie den Morgen nicht mehr erlebt. Immer wieder grosse Hoffnung, es zu schaffen. Und irgendwann die Ernüchterung, dass der Körper an ein Limit kommt.

„Du kannst am Ende nur zuschauen, wie der Mensch keine Chance mehr hat.“

Wenn man bedenkt, dass erst wenige Monate vergangen sind seit dem für ihn und das ganze Umfeld überraschenden Tod von Kim, fast übermenschlich, was Chris mir im Gespräch gibt.

Ich glaube, das darf ich schon erzählen, auch wenn er sich gegen aussen hin gerne kontrolliert zeigt: Chris hatte mehr als einmal mit den Tränen zu kämpfen, als er mir seine, ihre Geschichte erzählt hat. Und ich auch.

Ich glaube, Kim’s Geschichte geht an kaum jemandem spurlos vorbei. Ihr Instagram-Account Kimspiriert hat über 100’000 Follower, madebyluderchris über 50’000.

Zwei Zahlen, die eines eindrücklich demonstrieren: Social Media ist nicht nur ein Tummelplatz für die vielen Hochglanzsüchtigen, hier kann man tatsächlich eine Community finden, die mitleidet und mitfühlt, obwohl sie die Person nicht persönlich kennt.

Natürlich ist es eindrücklich, wenn man einer starken Frau dabei zusieht, wie sie sich nicht unterkriegen lässt vom Krebsgeschwür. Dass dieselbe Frau, die auch in schwarzen Stunden immer wieder Humor bewiesen hat, am Schluss eben doch keine Chance hat, hat viele Follower erschüttert zurück gelassen.

Chris hat #Kimscrew aufgefangen, als Kim nicht mehr da war. Er möchte die öffentliche Aufmerksamkeit nutzen, um auf Kims Anliegen aufmerksam zu machen: Lasst euch checken! Zeigt den Ärzten, dass sie euch ernst nehmen sollen, auch wenn ihr noch jung seid und vermeintlich nicht in Gefahr, an Krebs zu erkranken. Das Leben unterordnet sich keiner Statistik.

„Ich hätte Kim vielleicht mehr drängen sollen, sich checken zu lassen.“

Hätte, wäre – für Kim und Chris ist es zu spät. Durch Kims nachdrückliche Aufrufe, sich untersuchen zu lassen, konnten vermutlich schon Leben gerettet werden, wie Chris sagt. Er erhält immer noch viele Botschaften und Nachrichten, vor allem eben von jungen Frauen, die dank Kims Geschichte insistiert haben bei ihren Ärzten, sie trotz ihres Alters zu untersuchen. Denn: „Brustkrebs ist keine Alte-Frauen-Krankheit.“

Trauer und Trost

beinhalten alle Geschichten, die ich unter diesem Titel veröffentlichen werde auf KeinHochglanzmagazin. Chris hat stark getrauert (und tut es noch immer), gleichzeitig erhält er durch seine Offenheit auch viel Trost. Wie von einem Mädchen, das ihm folgendes geschrieben hat:

Wenn du auf eine Wiese gehst, welche Blume nimmst du mit? Die Schönste.

Bitte helft mit (indem ihr den Link zum Interview mit Chris an Freunde und Familie weiterleitet), dass das Tabu-Thema Krebs möglichst viele Menschen erreicht und ihnen – vielleicht durch Kims Geschichte – das Herz geöffnet wird und hoffentlich auch der einen oder anderen das selbe Schicksal erspart bleibt.

Bild Anna: Thomas Buchwalder
Bilder Kim und Chris: ZVG

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Kommentare

  • Cathrin
    REPLY

    Wenn du im Internet mit Geschichten überschüttet wirst, welche liest du? Die Berührendste.
    Danke, Anna❤️

    2. Juni 2018

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