Erst mit 21 Jahren startete Beni Huggel als Fussballprofi durch, dafür aber richtig: Mit dem FC Basel wurde er 7x Schweizer Meister und spielte 41 Partien mit der Schweizer Nationalmannschaft. Mit 41 Jahren wagt er einen Neustart als Coach von Führungskräften. Wir treffen uns an einem nebligen Tag auf dem Basler Münsterplatz. Kalt und grau präsentiert sich dieser Ort, den Beni Huggel für unser Treffen ausgesucht hat. Nicht den Barfüsser- oder Marktplatz, wo der Klub zusammen mit den Fans die grössten Erfolge feierte, jeweils in einem bunten Menschenmeer. Hier: menschenleer. Dieser Gegensatz passt zu Beni Huggel. Der ehemalige Fussballstar liebt Menschen, aber meidet privat grosse Menschenansammlungen, fiel schon während seiner aktiven Sportlerkarriere auf durch seine Andersartigkeit. Er entsprach nie dem typischen Klischee des erfolgsverwöhnten Fussballers: Blitzgescheit und differenziert kann man mit ihm über alles parlieren. Ein belesener, vielseitiger Mann, dieser Beni Huggel. Am 7.7.77 geboren, spielt die Zahl 7 auf eigentümliche Weise eine Rolle in seinem Leben. Ein Gespräch über 7-Jahres-Rhythmen, die Bundesratswahl und (Wut-)Ausbrüche. [caption id="attachment_6523" align="alignnone" width="1200"] Anna Maier und Beni Huggel auf dem Basler Münsterplatz. Foto: Silvan Dietrich/Leica[/caption] «Ich war ein Langsamstarter.»  Anna Maier: Ende Jahr ist – auch bei dir - Zeit zur Reflexion. Ich weiss von dir, dass du dann die Agenda durchgehst und schaust, was im vergangenen Jahr alles passiert ist. Wie war dein 2018? Beni Huggel: Mein Sommer stand natürlich vor allem im Zeichen der Fussball-Weltmeisterschaft in Russland, wo ich als Experte beim Schweizer Fernsehens im Einsatz war. Danach war ich drei Wochen im Urlaub. Das heisst, den Sommer durch war ich fast zwei Monate unterwegs. Das war sehr prägend. Beruflich bin ich daran, neue Weichen zu stellen: Anfang Jahr habe ich eine Weiterbildung abgeschlossen. Ja, es lief recht viel in diesem Jahr. Du scheinst gerne zurück zu schauen. Ist das ein bewusster Entscheid, um Dinge im neuen Jahr anders zu machen? Nein, ich schaue nicht nur zurück. Ich schaue auch sehr viel voraus, was im 2019 gehen wird. Wenn sich mein Leben in 7-Jahres-Schritten verändert, wie das bisher der Fall war, dann ist es so, dass nächstes Jahr eine grössere Veränderung anstehen würde. Um die Bibel zu bemühen: Befindest du dich am Ende der sieben fetten oder der sieben mageren Jahre? Der sieben mageren (lacht). Theoretisch müssten jetzt die sieben fetten Jahre kommen. Es gibt ja Menschen, die sehen diesen 7-Jahr-Rhythmus im Leben als gegeben. Glaubst du daran? Ja, das hat schon was. Man kommt zur Welt und mit sieben beginnt die Schulzeit. Mit 14…

Sie ist eine Frau, die auffällt: Hübsches Äusseres, intelligent, gewitzt – und der lebende Beweis, dass man nicht krank aussehen muss, wenn man krank ist. Silvia Meier-Jauch blogt und vlogt sich lachend und fluchend durch Social Media. Dass die 36jährige häufiger kichert als ernst ist, mag auf den ersten Blick irritieren, hat aber einen offensichtlichen Hintergrund: Als Betroffene macht sie sich einen Spass draus, Krankheiten das Bedrohliche zu nehmen, denn „mein Leben ist ernst genug“. Mit dieser leichtfüssigen Art mit täglichem Schmerz umzugehen, kommt sie an. Als Botschafterin der Rheumaliga Schweiz genau so sehr, wie in ihrem Freizeitkurs, wo sie mit Kindern aus unterschiedlichen Kulturkreisen lustige Experimente durchführt. Ein Gespräch über geschminkte Wahrheiten, gelebte (Alb-)Träume und wie es ist, als Schmerzpatientin einen Schmerzforscher zum Mann zu haben. „Ich war von meiner Art her schon immer etwas anders.“ Anna Maier: Du hast mir gerade erzählt, dass deine Krankheitsgeschichte just im selben Moment begann, in dem eigentlich etwas wunderschönes Neues anfing: bei der Geburt deiner Tochter. Hast du das in diesem Moment realisiert oder kam das erst später ans Licht? Silvia Meier-Jauch: Blicke ich heute zurück, realisiere ich, dass ich eigentlich schon immer krank gewesen bin. Wie meinst du das? Erinnere ich mich an meine Kindheit zurück, hat mir immer irgendetwas wehgetan. Ich habe schon früh gemerkt, dass ich schneller ermüde und häufiger körperliche Probleme hatte als andere. Aber als Kind nimmst du alles wie es ist. Wenn einem gesagt wird: „Jetzt tu nicht so!“ oder „Du bildest dir das nur ein!“ oder „Du hast einfach keine Lust!“ – dann glaubst du das. Du glaubtest also, dass du übermässig wehleidig bist? Genau. In der Pubertät habe ich plötzlich starke Schuppenflechten bekommen. Und habe mich darüber wahnsinnig geschämt. Doch auch da hiess es: „Pflege dich besser“. Das nahm ich so hin und habe es nicht hinterfragt. Gingst du damals schulisch durch eine Stressphase? Das ist ein heikles Thema. Ich glaube fest daran, dass stressige, traumatische Kindheiten Erkrankungen begünstigen können. Und, ja, ich würde sagen, dass ich eine stressige Kindheit hatte. Inwiefern?  Meine Eltern waren nicht glücklich miteinander und ich habe dieses Unglück permanent gespürt. Zudem war ich von meiner Art her schon immer etwas anders und hab nie in das klassische Bild gepasst. Was war denn anders bei dir?  Ich war wohl schon immer ein Freigeist. Ich kann eine grosse Leidenschaft für etwas entwickeln. Ich drücke mich künstlerisch aus. Ich lache gerne und nehme mein Leben nicht allzu ernst. Du hast eine sehr lustige Seite. Das fällt auf, wenn man deine Social-Media-Kanäle anschaut.   Absolut. Ich mag es, albern zu sein. Mich bringen schon Kleinigkeiten zum Schmunzeln. Auch wenn andere gewisse Dinge nicht einmal bemerken, bin ich bereits am Kichern. Häufig wird mir deshalb unterstellt, dass ich nichts ernst nehme. Aber das stimmt nicht. Ich nehme vor allem Menschen sehr ernst, aber ich empfinde einfach häufig eine Freude. Und gehe lieber lachend durch Leben. Hast du auch eine nachdenkliche, melancholische Seite?   Nicht unbedingt eine melancholische, aber ich bin sehr nachdenklich. Mir ist bewusst, dass man dies nicht auf den ersten Blick sieht. Wenn ich draussen bin, sprühe ich vor Energie, rede, unterhalte gerne. Aber Zuhause ist das Gegenteil der Fall. Ich denke sehr viel nach. Über was?  Das beginnt bei Schrödingers Katze. Da kann ich stundenlang darüber nachdenken. Aber auch über ein gutes Buch, einen Film. Das Leben gibt dir die ganze Zeit Möglichkeiten über Dinge nachzudenken. Aber das schliesst den Genuss nicht aus. Über etwas nachzudenken, bedeutet für mich nicht gleichzeitig, es mit einer Schwere zu erleben. Schwere Situationen sind manchmal auch nur so schwer, weil du sie selbst so anschauen möchtest. Oftmals stellen sich Menschen diesen schweren Themen aber auch überhaupt nicht. Wenn es jemand trotzdem macht, heisst es oft gleich, die Person sei melancholisch. „Es brauchte viel Negatives, um mir zu einer positiven Einstellung zu verhelfen.“  Eigentlich hättest du allen Grund zu denken: „Warum ich?“ oder „Das ist nicht fair“. Es gibt viele Menschen, die sich solchen Gedanken nicht entziehen können. Du scheinst trotz deinen Schmerzen eine positive Lebenseinstellung zu haben. Oder täuscht das? Ich habe garantiert auch meine Momente. Kürzlich hatte ich beispielsweise eine Horrornacht. Meine Schmerzen machten mich fast wahnsinnig. In solchen Momenten könnte ich verzweifeln. Aber ich sag mir dann immer: Jeder Moment geht vorbei – die guten wie die schlechten. Man muss einfach zuwarten. Natürlich bin ich in solchen Situationen nicht gerade fröhlich. Gleichzeitig sage ich mir dann: Wenn so etwas passiert, denke nicht weiter darüber nach. Es macht es nicht besser. Das sage ich auch meiner Tochter ständig. Wenn sie sich über etwas ärgert, sage ich: „Das ist das Leben. Jetzt ist es passiert, jetzt machst du das Beste draus.“ Es gibt den passenden Spruch: Gibt dir das Leben eine Zitrone, machst du Limonade draus. So versuche ich auch mit meiner Krankheit umzugehen. Aber es brauchte viel, damit ich zu diesem Punkt kam. Es brauchte viel Negatives von aussen, um mir zu einer positiven Einstellung zu verhelfen. Wie meinst du das? Ich bin zu 1000 Prozent überzeugt, wäre ich mehrbemitleidet oder unterstützt worden oder auf extrem viel Verständnis gestossen, wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Ich sehe zu wenig krank aus und ich bin lebendig. Das scheint zu irritieren. Du hörst bestimmt häufiger „Du siehst super aus“ anstelle von „Wie geht es dir?“. Nervt dich das oder freut es dich?  Wenn es unabhängig vom Thema Krankheit ist, finde ich das cool. Wenn es im Zusammenhang mit der Krankheit gesagt wird, nervt es mich. Ich thematisiere das gerne auch bei meinen Blogs und Vlogs. Ich zeige mich dort häufig ungeschminkt. Damit die Leute auch diese Realität sehen. „Auch wenn man nichts sieht, hat man ja trotzdem Schmerzen.“ Denkst du denn, dass du wegen deines hübschen Aussehens manchmal als Simulantin angeschaut wirst? Weil du nicht krank aussiehst, auch wenn du dich krank fühlst? Ja, das erfahre ich immer wieder. Seit ich öffentlich zu meinen Krankheiten stehe und darüber berichte, habe ich sehr viele Entschuldigungen erhalten. Von wem?  Von ehemaligen Bekannten, die zugeben, dass sie mich nie so richtig ernstgenommen haben und erst jetzt – dank meiner Aufklärungsarbeit – das Ganze besser verstehen. Wann hast du damit begonnen, über deine Krankheiten zu sprechen? Es braucht ja eine gewisse Überwindung, um so offen über die hässlichen Seiten des Lebens zu kommunizieren. Das ging ewig. Als ich ganz schwer krank wurde

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