«Dass Kim stirbt, war für mich einfach keine Option.» Chris*, 35

An Silvester 2017 starb Chris’ Freundin Kim an Brustkrebs. Sie wurde nur 30 Jahre alt. Mit ihrer Krankheitsgeschichte gingen die beiden in den sozialen Medien offen um und erlebten, was diese eben auch sein können: Eine Gemeinschaft von Menschen, die mitfühlen, obwohl man sich persönlich nicht kennt. #Kimscrew gab und gibt Chris Halt und Stütze – und eine Stimme im Kampf, dass seine Kim nicht umsonst sterben musste. 

Auch wir lernten uns über Instagram kennen. Als ich für mein Studium nach Hamburg flog, fragte ich meine Follower, ob sie in der Hansestadt spannende Menschen kennen würden. Chris‘ Name tauchte auf, ich scrollte mich durch die letzten Monate, die sein Leben erschütterten, genauso wie seine stetig wachsende Community.

Wie dieser Mann an der Seite seiner Freundin stand, „bis dass der Tod uns scheidet“, und seither versucht, Kims Schicksal dafür zu nutzen, andere vor einem ähnlichen zu bewahren, hat auch mich berührt.

Besonders schön: Im „richtigen Leben“ empfand ich Chris genauso wie im virtuellen: authentisch, kritisch hinterfragend und schonungslos ehrlich.

„Sie war mir sympathisch. Obwohl sie anfangs nicht mein Typ war.“

Anna: Ich würde gerne ein bisschen zurück gehen in eurer Geschichte. Was war das für ein Tag, als du Kim kennengelernt hast?

Chris: Das war witzig, weil es letztendlich fast nicht dazu gekommen wäre: Ich war auf eine private Vorweihnachtsfeier eingeladen, hatte aber nicht wirklich viel Lust darauf, dort hinzugehen. Trotzdem lernte ich ein paar nette Leute kennen und unterhielt mich mit einem Typen angeregt über Videospiele. Das ist ein Thema, da kann ich stundenlang drüber reden.

Wir standen also in der Küche und haben gequatscht und in dem Moment kommt Kim rein, schaut mich an und sagt: „Dich kenne ich von Europcar!“ Etwas überrascht war ich schon, auch, weil mich plötzlich alle angeguckt haben.

Da ich aber das Gespräch über die Videospiele nicht beenden wollte, habe ich einfach weitergeredet. Kim stand eine Weile daneben. Irgendwann ging sie weg und mein Gesprächspartner meinte: «Ich glaube, die wollte sich mit dir unterhalten».

Ich muss dazu sagen, dass ich eine unglaublich lange Leitung habe. Bis ich merke, dass eine Frau an mir interessiert ist, muss sie mir schon fast auf die Füsse fallen. Bevor sich die Party aufgelöst hat, habe ich Kim dann gefragt, ob sie mir ihre Nummer gibt. Ich weiss nicht, warum. Sie war mir sympathisch. Obwohl sie anfangs nicht mein Typ war, muss ich sagen.

Warum nicht?

Weil sie gleich gross war wie ich. Normalerweise hatte ich davor immer kleinere Freundinnen. Das wusste sie auch. Irgendwann habe ich ihr dann gesagt: „Ich komme jetzt damit klar!“ (lacht)

„Wir haben uns beide sehr geprägt. Gemeinsam sind wir gewachsen.“

Wie würdest du eure Beziehung beschreiben, bevor sie krank wurde?

Wir beide waren immer sehr ehrlich miteinander. Wir haben uns gegenseitig Freiraum gelassen, das habe ich geschätzt. Ich bin ein Mensch, der gerne ein bis zwei Stunden am Tag für sich selber beansprucht. Das mag nach der Arbeit sein oder in der Küche, wenn ich das Essen mache.

Auch Kim konnte sich gut alleine beschäftigen. Sie hatte ihre Interessen, ich hatte meine Interessen, wir hatten unsere gemeinsamen: Sport, Essen, Ausgang, Freunde. Ich mochte es, dass wir uns nicht erdrückt haben.

Es gibt Beziehungen, in der die Partner mehr gegeneinander arbeiten als miteinander, warum auch immer, das war bei uns nicht so. Wir haben uns aufgebaut, uns motiviert. Auch wenn wir beide während unserer Beziehung schwierige Phasen hatten – ich war arbeitslos, sie tat sich eine Zeit lang mit dem Studium sehr schwer – , haben wir uns immer gegenseitig motiviert.

Als ich sie kennengelernt hatte, war sie zum Beispiel gerade in Ausbildung bei Europcar…

… ihr seid euch tatsächlich bei Europcar zum ersten Mal begegnet?

Genau. Sie hat mir ab und zu beruflich ein Auto vermietet.

Ich habe sie damals gefragt: „Glaubst du, dass dieser Job etwas ist, was du dein Leben lang machen möchtest?“ Sie meinte: „Ich glaube nicht.“ Daraufhin hat sie – auch, weil ich schon mit meinem Studium durch war und sie zu mir aufschliessen wollte – ein Studium in Dänemark in Angriff genommen. Dafür hat sie die Fahrt von täglich fast zwei Stunden auf sich genommen.

Ich glaube, wir haben uns beide sehr geprägt in unserer Beziehung, auf ganz unterschiedliche Arten. Wir haben eine Schnittmenge gefunden, die unseren Weg definierte. Gemeinsam sind wir gewachsen.

„Ich hätte Kim vielleicht mehr drängen sollen, sich checken zu lassen.“

Wenn du heute zurückschaust: Siehst du eure Beziehung oder gewisse Momente anders, weil du weisst, dass die Zeit mit Kim endlich war?

Klar, habe ich oft drüber nachgedacht.

Unsere Beziehung ist jetzt in Scherben und ich weiss, wie es sich anfühlt, eine Partnerin an diese Krankheit zu verlieren.

Aber ich kann ganz ehrlich sagen: Ich würde nichts anders machen. Das Einzige, was ich mir für Kim gewünscht hätte, ist, dass sie früher über ihre Krankheit Bescheid gewusst hätte.

Was war das für ein Tag, als sie die Diagnose gestellt gekriegt hat?

Wir waren in New York, Januar 2017. Beide haben wir uns sehr darauf gefreut, weil wir diese Stadt immer sehen wollten. Für mich war es die Erfüllung eines Kindheitstraums, weil ich – durch Filme und auch durch meine Spiele – New York immer im Blick hatte. Mich faszinieren grosse Städte.

Kim hatte im Vorfeld bereits körperliche Probleme, die wir aber gar nicht einer bestimmten Sache zugeordnet haben.

Was waren das für welche?

Dieser Schmerz in der Brust, den sie hatte. Sie war auch bei einer Ärztin, die hat aber einfach eine komplette Fehldiagnose getroffen, weil sie Kim vielleicht wegen ihres jungen Alters nicht richtig ernst genommen hat.

Das ist der Vorwurf, den ich mir mache: Ich hätte Kim mehr drängen sollen, sich nochmal checken zu lassen, eine Zweitmeinung einzuholen. Aber man ist halt immer der Überzeugung, dass man bei jemandem ist, der Ahnung hat von seinem Job. Das erste Mal hat die Ärztin sie mit einer Salbe nach Hause geschickt, das zweite Mal mit Antibiotikum.

„Der Moment der Diagnose war vernichtend.“

Kim hatte keinen fühlbaren Knoten in der Brust, aber Schmerzen?

Sie hatte eine Entzündung in der Brust, die sie abgetan hat. New York hat sich genähert und es wurde nicht besser, sie hatte aber für nach dem Urlaub einen Termin bei einer anderen Ärztin.
Ich hatte mir wegen ihrer Schmerzen grosse Sorgen gemacht und schon überlegt, die Reise zu canceln, aber sie wollte das nicht.

Der dritte Tag in New York war so schlimm, dass sie zu einem Arzt ging, der hat sie ins Krankenhaus geschickt, dort haben sie sie gecheckt. Und dann dieser Satz: «Wir vermuten, dass es Brustkrebs ist.» Dieser Moment war vernichtend. Man ist in einer fremden Stadt, weit weg von zu Hause und kriegt eine derartige Diagnose.

Damit war der Urlaub natürlich gelaufen, aber das war sekundär. Die Frage war vielmehr: Was machen wir jetzt? Gottseidank hatte sie eine Auslandskrankenversicherung, weil sie früher schon mal länger gereist war. Das war ein grosses Glück, dass wir gut abgesichert waren. Es kostet kein Geld, hilft aber viel. Wir hätten mit den Kosten, die dort aufgelaufen sind, locker 60’000 Euro bezahlt.

War sie denn länger da? Hat sie in New York weitere Abklärungen machen lassen?

Weil ihr Zustand nicht so gut war, haben sie sie schmerztechnisch eingestellt. Das heisst, sie haben sie medikamentös behandelt, damit sie die Rückreise überstehen kann. Wir hatten uns beide bewusst dagegen entschieden, dass in New York bereits gewisse Behandlungen aufgenommen werden. Wir wollten alles aus einer Hand in Deutschland machen lassen.

„Man kann es erst begreifen, wenn man es mitansehen muss.“

Was passierte mit euch in diesem Moment?

Kims Mutter hatte Brustkrebs. Kim wusste sehr genau, was da passieren wird. Ihre Mutter hat es überlebt. Aber es war eine sehr harte Zeit, die Kim auch sehr bewusst mitbekommen hat. Ich selber hatte erst ein paar Monate zuvor meinen Vater an Lungenkrebs verloren. Er wurde nur 59.

Dein Vater starb, kurz bevor Kim die Diagnose gestellt wurde?

Sechs Monate vorher. Er ist im Juli 2016 gestorben.

Da hat dich wahrscheinlich die Angst gepackt, in diesem Moment?

Es hat mich innerlich zerstört. Obwohl ich bei meinem Vater den Prozess der Behandlung mit all den Nebenwirkungen – das ist ja extrem, was sich da entwickelt – mitbekommen habe, hatte ich diese Diagnose nicht so schnell wieder erwartet.

Jeder Krebs ist speziell, jeder Krebs wird anders behandelt. Was mit Kim passiert ist, habe ich wieder ganz anders erlebt als bei meinem Vater. Was Krebspatienten an Medikamenten und Nebenwirkungen bekommen, das kann man erst begreifen, wenn man es mit ansehen muss.

„Ich selber habe ihr die Haare abrasiert.“

Welche Nebenwirkungen hatte Kim?

Was mich am meisten mitgenommen hat: Kim war ein sehr sportlicher Mensch. Sie hat durch die Chemo und Kortison stark zugenommen, hat sich unwohl gefühlt, weil sie einen anderen Anspruch an sich selber gehabt hat. Das Allerschlimmste für sie aber war, dass sie ihre Haare verloren hat.

Im Nachhinein mutet es merkwürdig an, dass sie mich in der Schlange beim Einreisen in die USA gefragt hat, wie es denn wäre, wenn sie so kurze Haare hätte wie dieses Mädchen, das dastand. Damals habe ich ihr geantwortet, dass das nicht unbedingt sein müsse.

Das war noch vor der Diagnose?

Ja. Und ich selber habe ihr später dann die Haare abrasiert.

Wie war das?

Ja, wie war das… Es hat ihr sehr viel bedeutet. Es war in unserem Wohnzimmer, ihre Freundinnen und ihre Mutter haben es nicht hingekriegt.

Ich habe mal in einem Militärfilm – bei «Full Metal Jacket» – gesehen, wie sie das machen. Dann habe ich gesagt: „So, gib her, ich mach das!“

Das hast du wirklich durchziehen können?

Ja. Es ist doch fast eine Ironie des Schicksals, dass ich derjenige war, der gegen diese Frisur war, aber sie ihr dann schlussendlich selbst gegeben hat. Es war aber alles im Rahmen, weil sie noch Haare hatte.

Schwierig wurde es dann, als sie tatsächlich ausgefallen sind, nach der dritten Chemo. Das hat ihr sehr zu schaffen gemacht. Sie hat eine Perücke bekommen, die sie hin und wieder getragen hat. Und ein Tuch. Sie wusste sich trotzdem schick zu machen, das hab ich an ihr bewundert.

„Das Allerschlimmste war, sie leiden zu sehen.“

Das Allerschlimmste für mich war aber zu sehen, wie sie leidet hinsichtlich der Appetitlosigkeit. Einige Chemos hat sie sehr gut weggesteckt, manchmal ging es ihr am Tag danach schon wieder gut. Aber es gab auch Zeiten, wo sie sehr schlapp war, keine Energie hatte, wo sie gewisse Gerüche nicht mochte. Gebratenes Gemüse war so etwas. Ihre Schleimhäute waren sehr empfindlich.

Und sie schlief schlecht, das hat mir auch Sorgen bereitet. Ein Tag kann sehr lang sein, viele Aufgaben haben, aber es ist wichtig, sich nachts erholen zu können.

Du konntest auch nicht schlafen, wenn sie nicht schlafen konnte?

Nein, das konnte ich nicht, auch wenn sie immer sehr rücksichtsvoll war. Als ich wieder gearbeitet habe, wusste sie, dass es für mich wichtig ist zu schlafen und hat mir diesen Raum auch gegeben. Trotzdem habe ich natürlich mitgelitten.

Sie hatte schlimme Hitzewallungen, manchmal war ihr unglaublich heiss. Ich kann mir vorstellen, dass das für sie sehr unangenehm war.

Das habe ich kürzlich auch gesehen in einer Doku über Brustkrebs bei Frauen. Die musste ich ausmachen, weil Kims Nebenwirkungen für mich noch so präsent waren, dass ich mir das nicht anschauen konnte.

„Manchmal habe ich mich schwer getan, in ihrer Nähe zu sein.“

Man sagt ja, dass der Mensch nur so viel Schmerz zulässt, wie er ertragen kann. Wenn du erzählst, kommt es mir vor, als würdest du auf eine Szenerie schauen. Hast du manchmal das Gefühl, dass die Emotionen sich in gewisser Weise «abgestellt» haben und du einfach funktioniert hast?

Ja, das kann man schon so sagen. Auch jetzt in dieser Zeit betrachte ich mich häufiger mal von aussen. Wie gehe ich damit um, wie beeinflusst es mich? Ich bin ein Mensch, der sich selten Schwächen zugestehen möchte.

Warum?

Schwer zu beschreiben. Ich glaube zwar nicht an Horoskope, aber ich bin im Sternzeichen Krebs geboren und vielleicht hat es damit zu tun, dass ich diesen äusseren Panzer habe, den ich ungern ankratzen lasse. Ich versuche nach aussen hin beständig zu wirken und zu funktionieren. Was im Inneren gefühlstechnisch vorgeht, das ist was anderes.

Was mich sehr überrascht hat, ist, dass ich im letzten Dezember und Januar ganz schlimme Nackenschmerzen hatte. Der ganze Nackenbereich war komplett verhärtet. Ich dachte dann, vielleicht liegts am fehlenden Sport oder einfach am Stress, aber es hat tatsächlich eine psychosomatische Wirkung gehabt, weil eine grosse Last auf mir lag, die ich stemmen musste und auch wollte.

Für mich ist Aufgeben keine Option. Ich hatte bis zuletzt die Hoffnung, dass wir das überstehen werden. Ich wollte so gut wie möglich für Kim da sein, aber leider habe ich auch meine schwachen Momente gehabt.

Wie haben die sich geäussert?

Manchmal habe ich mich schwer getan, in ihrer Nähe sein zu können. Wenn du den Menschen, den du liebst, so leiden siehst und du kannst rein gar nichts dagegen tun, zerfrisst es dich. Ich habe jeden Moment genutzt, um ihr zu helfen. Ich hattte aber gleichzeitig das Gefühl, machtlos zu sein.

Wer war für dich da in dieser Zeit?

Tatsächlich auch sie. Ein gutes Beispiel: Ich habe April 2017 meinen Job verloren. Natürlich hat es mich hart getroffen, aber im gleichen Moment habe ich auch gedacht: Dann soll es so sein. Es hätte nicht besser passen können. Ich habe die Chance erhalten, zu Hause zu sein, ihr beizuwohnen, für sie da zu sein.

„Sie hatte viel zu viel Zeit für sich alleine.“

Sie hatte davor viel zu viel Zeit für sich alleine. Jeder kennt es: Wenn man krank ist und zwei Wochen zu Hause sitzt, dann fällt einem schon die Decke auf den Kopf. Das ist das, was mir im Nachhinein immer noch unendlich leid tut. Man denkt: Sie ist ja zu Hause, es geht ihr gut und sie hat alles, was sie braucht. Aber sie war da mit ihren Gedanken, mit sehr schlimmen Gedanken, denke ich. Natürlich befasst du dich auch mit dem «Was wäre, wenn».

Hattet ihr beide grosse Hoffnungen?

Sie war eine Kämpferin. Sie war unglaublich stark und wir waren davon überzeugt, dass wir das schaffen werden.

Es gibt Leute, die fallen in ein Loch, andere entwickeln durch so eine Diagnose einen Kampfgeist, einen Überlebenswillen. War Kim von der zweiten Sorte?

Ja, ich hätte auch eine Freundin haben können, die sich zu Hause einsperrt, den ganzen Tag im Bett liegt und weint. Jemanden, der den Kampf gar nicht aufnehmen will und sich einschliesst. Natürlich hatte auch sie ihre dunklen Momente, was völlig normal ist, gerade mit dieser Prognose und Behandlung.

Aber trotzdem hat sie es zu meiner grossen Bewunderung immer wieder geschafft, positiv zu bleiben. Sie war und ist für mich einer der Menschen, die ich als am stärksten empfinde. Ich hoffe, ich habe einen Teil davon übernommen.

„Wenn der eine gefallen ist, hat der andere ihn gehalten.“

Wie hat es eure Beziehung verändert? Was hat die Krankheit mit euch gemacht?

Kim hat das in einem ihrer Blogposts ganz schön beschrieben. Den habe ich vor kurzem nochmal gelesen.

Als ich damals meine Kündigung bekommen hatte, hatte sie grosse Sorgen, dass wir nur noch aufeinander hocken würden. Ich sass morgens meistens im Büro und habe Bewerbungen geschrieben, sie hat sich im Wohnzimmer aufgehalten. Gegen Mittag habe ich uns etwas zu essen gemacht, an einigen Vormittagen sind wir zu Behandlungen gefahren oder haben dazwischen Zeit miteinander verbracht, so gut es irgendwie möglich war.

Das war unsere Reifeprüfung. Man sagt ja, wenn du mit einer Frau vier Wochen in einem Bus quer durchs Land unterwegs bist und ihr euch nicht streitet in dieser Zeit, dann ist das ein gutes Zeichen für eure Beziehung. So war es bei uns: Wir waren einige Monate einfach nur in unseren vier Wänden. In dieser Zeit sind wir noch viel enger zusammengewachsen, würde ich sagen.

Ich hatte mit meiner Arbeitslosigkeit zu kämpfen, sie mit der Krankheit. Natürlich ist das nicht wirklich miteinander zu vergleichen. Aber wir sind beide in ein Loch gefallen. Nur: In dem Moment, wo der eine gefallen ist, hat der andere ihn gehalten.

Das ist ein Zustand in einer Beziehung, wenn man den erreicht, dann kann es nicht schöner sein, weil man weiss, da ist jemand da. Das ist dieses Bedingungslose, es war selbstverständlich, dass man dem Anderen beigestanden hat. Ich weiss aber auch aus Gesprächen mit verschiedensten Leuten, dass es offenbar nicht selbstverständlich ist, beim Erkrankten zu bleiben.

„Es gab für mich keinen Grund, sie alleine zu lassen.“

Ich habe auch schon gelesen, dass Paare in einer solchen Situation auseinander gehen und zwar spannenderweise, weil die erkrankte Person nicht will, dass der Partner alles mitmachen muss.

Tatsächlich, ja? Ich hatte mit meiner Psychologin mal ein Gespräch und sie hat gesagt, dass das sogar bei älteren Paaren vorkommt. Da sagt einer dann: «So habe ich mir meine Rente aber nicht vorgestellt!» Das ist für mich unbegreiflich. Man teilt so viele Jahre zusammen, es heisst ja: «In guten und schlechten Zeiten». Wir waren zwar nicht verheiratet, aber fast fünf Jahre ein Paar. Es gab für mich keinen Grund, sie alleine zu lassen.

Woher hast du diesen unerschütterlichen Glauben ans Gute?

Ehrlich gesagt: Ich weiss es nicht. Ich glaube, das ist eine Sache, die zwischen mir und Kim entstanden ist. Wir werden das hinter uns bringen, dachte ich, denn wir haben uns sehr gut aufgehoben gefühlt im Krankenhaus, wir hatten sehr gute Ärzte.

Ich bin auch sehr froh, dass wir hier in Hamburg waren in einer Klinik, die spezialisiert ist. Ich weiss, dass es auch anders gehen kann. Ich will jetzt nicht sagen, dass Krankenhäuser generell schlecht sind, aber es ist schön, wenn man das Gefühl hat, Experten um sich zu haben, die wissen, was gemacht werden muss.

Dass Kim stirbt, war für mich einfach keine Option. Für mich war es ausser Frage, dass sie es schaffen wird.

„Wenn es düstere Momente gab, war ich froh, wenn ihre Mutter kam.“

Und wann kam der Wendepunkt?

Im Dezember war sie sehr schwach und wir haben sie ins Hospiz bringen lassen. Das hat in der Internet-Community – Kim hatte auf Instagram sehr viele Follower – grosse Wellen geschlagen.

Aber der Grund, sie dort hinzubringen, war nicht, dass sie dort sterben sollte. Es ging uns um die Palliativmedizin, darum, dass ständig jemand da ist, dass sie sich wohlfühlt. Daher wollten wir sie nach Flensburg an den Stadtpark bringen.

Wollte sie das auch?

Ja. Nachdem ihre Mutter mit ihr gesprochen hat, hat sie es angenommen. Kim hatte ihre Mama in der Nähe, was mir tatsächlich sehr lieb war, weil ich wusste, wie viel ihr ihre Mutter bedeutet hat. Die Frau hat so viel ausgerichtet in dieser Zeit. Immer, wenn es düstere Momente gab, war ich froh, wenn ihre Mutter kam, weil ich wusste, sie wird innerhalb einer Stunde die ganze Atmosphäre ändern – das war unglaublich.

Unsere Idee war, dass sie etwas aufgepäppelt wird, denn die Schmerzmedikation hat teilweise nicht mehr angeschlagen. Im Nachhinein weiss ich, das waren verdammt starke Medikamente, die sie bekommen hat.

Es hat sich dann sehr schnell abgezeichnet, dass Kim es nicht schaffen würde. Sie selbst hat dies erfahren in der Woche zwischen Weihnachten und Silvester.

„Ich hatte es einfach nicht so schnell kommen sehen.“

Was eine emotional stark geladene Zeit ist…

Ja. Worüber ich aber sehr glücklich war, ist, dass wir ein sehr schönes Weihnachtsfest hatten. Es war ein besinnlicher Abend mit ihrer Familie und etwas ganz besonderes für sie.

Ich habe bei ihr im Hospiz geschlafen, die Menschen da waren so nett, die haben alles ermöglicht. Sie haben ein Bett nebenan gestellt, sie haben uns ein Frühstück gemacht am Morgen, unglaublich herzlich!

Ich fuhr danach noch mal Heim – weil ich natürlich nicht frei von meinen Aufgaben war -, was ich im Nachhinein sehr bereue. Aber ich hatte es für mich einfach nicht so schnell kommen sehen. In dieser Zeit schien es ihr wesentlich besser zu gehen, ich hatte das Gefühl, sie war wieder aufgeblüht, es geht vorwärts.

Was ich nicht wusste, dass es ähnlich war wie damals bei meinem Vater: Der Körper mobilisiert sich anscheinend nochmals in seinen letzten Tagen.

Ein letztes Aufbäumen.

Ja, der Körper ist nochmals voller Energie. Was mir aber grosse Sorgen gemacht hat – das habe ich auch bei meinem Vater gesehen -, war dieser Blick. Ich kann es nicht anders beschreiben, ausser, dass der Glanz aus den Augen weicht. Ich habe diesen Blick bei Kim zu Weihnachten gesehen, und er hat mir grosse Angst eingejagt.

In diesem Moment hatte ich das Gefühl, dass es passieren wird, aber ich hatte nicht die geringste Ahnung, dass es so schnell gehen wird – nicht ansatzweise. Es war exakt eine Woche nachdem eine Ärztin angetönt hatte, dass Kim es vielleicht nicht schaffen würde.

Kim wurde es dann von ihrer Mutter und der Schwester im Hospiz erklärt, dass die Chancen für sie schlecht stehen würden. Wir haben danach miteinander geschrieben. Ich habe unseren Dialog vor Kurzem erst wieder gelesen. Sie hat dieses Schicksal für sich angenommen, aber es schien noch in so weiter Ferne.

„Sie hat ihr Schicksal angenommen.“

Als wir uns dann nochmal sahen vor Silvester, haben wir uns darüber unterhalten, was sein wird und wie es weiter gehen wird. Sie hatte darüber nachgedacht, einen Blogpost zu schreiben, in dem sie sich verabschiedet. Ich habe ihr gesagt, dass ich ihr dabei helfen würde.

Hat sie es gemacht?

Das hat sie nicht mehr geschafft, nein. Wir sprachen darüber am 29. Dezember. Am 30. ging es ihr so schlecht, dass sie nur noch im Bett lag. Sie hat zwar noch Dinge wahrgenommen, aber sie war sehr schwach. An diesem Tag wurde uns immer bewusster, was geschehen wird.

Die Nacht vom 30. auf den 31. war zusammen mit der Nacht danach die allerschlimmste, die ich in meinem Leben erlebt habe, weil ich neben ihr lag und furchtbare Angst hatte. Sie hat sehr schwer geatmet, war nicht mehr wirklich ansprechbar. Wenn man etwas zu ihr gesagt hat, hat sie das kurz wahrgenommen, aber sie hat nicht viel darauf geantwortet, nur „ja“ und „nein“.

Ich habe kaum geschlafen, hatte immer ein Ohr bei ihr, um zu sehen, ob sie richtig liegt, ob sie was braucht, ob sie Durst hat. Ich habe versucht und gehofft, dass sie Ruhe findet. Als es Morgen wurde, war ich erleichtert, dass die Nacht vorbei war und sie morgens noch etwas Schlaf fand.

Am 31. waren wir alle bei ihr und es hat sich abgezeichnet, dass sie es nicht viel länger schaffen wird.

Wann ist sie gestorben?

Wir haben den Abend von Silvester zusammen verbracht. Es war immer jemand von der Familie bei ihr. Eigentlich war der Plan, dass sie Anfang des Jahres nochmal ihre Mädels sieht, die ihr sehr viel bedeutet haben. Wir haben aber an diesem Abend gespürt, dass das nicht mehr passieren wird und hatten die Sorge, sie würde nicht loslassen können vorher.

So haben wir ihre beste Freundin angerufen, die in der Schweiz wohnt. Sie war mit ein paar Freunden in den Bergen. Wir haben sie angerufen und gesagt: „Cata, du musst jetzt herkommen“.

Hat Kim wahrgenommen, dass ihre Freundin da war?

Sie hat sie noch gesehen, ja. Sie konnte nicht viel sagen, aber sie hat sie gesehen. Ich war nicht dabei, denn das war ein Moment, den die beiden nur für sich hatten. Als es dann 1 Uhr Nacht wurde, haben sich die meisten verabschiedet, weil natürlich nicht alle da bleiben konnten.

Du bist bei Kim geblieben?

Ja, ich bin da geblieben. Ihre Mutter war bei ihr, Cata war auch da.

Um Viertel vor zwei war ich noch an ihrem Bett. Ich war einfach extrem müde. Gegenüber dem Bett war eine Couch. Ich habe mich da hingelegt, um kurz zu schlafen. Ungefähr eine Stunde später wurde ich geweckt von Cata. Ich bin ziemlich hochgeschreckt, weil ich tief eingeschlafen war.

Es war sofort klar, was los ist. Ich sah, wie Kims Mama sie im Arm hielt und sie dabei war, ihre letzten Atemzüge zu machen. Es ist sehr komisch, was in so einem Moment mit jemandem passiert. Wie soll man es nennen?

„Du kannst am Ende nur zuschauen, wie der Mensch keine Chance mehr hat.“

Als Kind habe ich immer am meisten gefürchtet, dass ich mit dem Tod konfrontiert werde. Das ist, glaube ich, ein normaler Vorgang, wenn du realisierst, was Tod bedeutet. Ich hatte immer grosse Angst vor dem Tod.

Diesen zu sehen, an einem Menschen, den man sehr liebt, das ist schwer zu beschreiben. Du realisierst, wie wertvoll das Leben ist und wie schnell es vorbei ist, und du realisierst, dass am Ende das, was du hast, nichts Wert ist, sondern nur das, was du bist.

Das ist schlussendlich das, was bleibt: Die Erinnerung an den Menschen und wer man war.

Stirbt in diesem Moment ein Teil von einem selbst?

Ja, absolut. Ich hatte immer die Hoffnung, dass es gehen wird. Vielleicht war ich zu naiv.

Braucht es diese Hoffnung nicht auch, damit man Kräfte generiert?

Natürlich. Ohne diese Hoffnung wären wir gar nichts gewesen. Aber all das, was wir investiert haben, alles, was sie auf sich genommen hat – sie hat alles mitgemacht, vieles davon sogar mit einem Lächeln -, schien umsonst gewesen zu sein. Du kannst am Ende nur zuschauen, wie der Mensch keine Chance mehr hat.

Diese Ungerechtigkeit in meinem Kopf, mit der komme ich ganz schwer zu recht.

Die Ungerechtigkeit des Lebens?

Ja. Ich persönlich bin ein Mensch, der Fairness sehr hoch hält. Ich habe Prinzipien in meinem Leben und eine davon ist Fairness in allen Bereichen. Aber ich habe lernen müssen, dass das nichts Gegebenes ist.

„Kim wollte leben, sie liebte es.“

Es gibt so viele Menschen da draussen, die ihr Leben nicht wertschätzen. Ich will nicht sagen, dass es irgend jemand mehr verdient hätte, dieses Schicksal zu erleiden, das ist nicht meine Aussage. Aber als ich in meiner Blase sass und sah, wie andere Menschen ihr Leben nicht wertschätzen, fand ich das einfach nur unfair. Kim wollte leben, sie liebte es.

Man sagt ja häufig, dass man das Leben mehr wertschätzen soll. Glaubst du, man kann diese Aussage überhaupt nachvollziehen, wenn man nicht selber schon miterlebt hat, wie schnell sich alles grundlegend ändern kann?

Jain, die meisten Menschen schätzen und lieben ihre Leben hoffentlich, aber diese Erfahrung führt dir erst vor Augen, wie vergänglich es ist. Wenn man das erlebt hat, geht man doch ganz anders damit um.

Ein gutes Beispiel: Letzte Woche hat mich ein Mädel, die mich und unsere Geschichte kennt, beim Sport angesprochen. Sie erzählte mir, dass sie wisse, wie es mir ginge. Sie selber hatte Krebs und diesen vor Kurzem überstanden. Sie hat aber drei Familienmitglieder verloren. Drei! Sie stand dann da und konnte mit mir reden und sofort fühlte ich mich ihr verbunden.

Ich wollte ihr kein Mitleid geben. Da zu stehen, darüber sprechen zu können, gleichzeitig sich selbst immer noch zu motivieren, vor solchen Menschen habe ich einen riesen Respekt. Man kann sich auch zu Hause einsperren und unter der Decke nichts tun und sich bemitleiden. Das hat Kim nicht gemacht und das werde auch ich nicht tun.

„Es ist erstmal alles sehr unwirklich.“

Ich habe versucht mir vorzustellen, wie schwierig es ist, wenn du raus gehst aus diesem Hospiz in eine Wohnung, wo noch alles so aussieht, als würde Kim bald wieder nach Hause kommen. Was hast du für Erinnerungen an die Woche nach Kims Tod?

Es ist erstmal alles sehr unwirklich.

Ich durfte mich verabschieden und ich bin Kims Mutter sehr dankbar, dass sie mir die Kraft und den Mut dafür gegeben hat, denn ich selber hatte zu grosse Angst davor. Es war aber extrem wichtig, es tun zu können.

Für mich war es aber auch wichtig, sagen zu können: Ich muss weg. Ich bin kurz danach nach Hause gefahren, denn ich konnte nicht mehr im Hospiz sein. Ich wollte nach Hause.

Für mich ist mein Zuhause immer der Ort, an dem ich mich zurückziehen kann, wo ich für mich sein, mich regenerieren und sammeln kann. Deswegen verbinde ich damit nichts Schlechtes. Ganz im Gegenteil: Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt, wir haben in unserer Wohnung schöne Zeiten verbracht.

Kim hat sich sehr viel Mühe gegeben, ihre Handschrift zu hinterlassen. Ich mochte ihre Art, die Wohnung einzurichten sehr. Wenn ich woanders hinziehen würde, dann wäre diese nicht mehr da.

„Kim war jemand, der echt war. Das hat die Menschen berührt.“

Für mich war es auch wichtig, dass ich möglichst viele von Kims Weggefährten persönlich kontaktieren konnte. Denn ich weiß leider wie es ist, wenn der falsche Botschafter eine Nachricht überbringt.

Mir war ausserdem klar, dass wir aufgrund der Social Media-Auftritte auf Kims Kanal sehr bald ein Statement abgeben müssen, bevor irgendwelche Gerüchte die Runde machen. Ich wollte, dass ihre Follower von mir über ihren Tod informiert werden, denn ich hatte das starke Gefühl, dass wir ihnen dies schuldig waren.

Warum habt ihr euch überhaupt dazu entschieden, darüber zu sprechen? Ich kann mir vorstellen, dass manche Menschen so eine persönliche Krankheitsgeschichte nicht nach aussen tragen wollen würden.

Das war aber nicht Kims Art. Obwohl ich beruflich mit Social Media zu tun habe, hat mir Kim erst gezeigt, was das soziale Netzwerk Instagram bedeutet. Es ist eine App. Das hat sie auch immer gesagt: „Es kann morgen damit vorbei sein, das ist nicht das wahre Leben. Aber es kann dein Leben ergänzen.“

Was das Feedback, die Unterstützung von diesen Menschen für uns im letzten Jahr bedeutet hat, war immens. Diese vielen Menschen haben sie nie persönlich getroffen, aber sie waren alle sehr betroffen. Bis heute kriege ich Nachrichten von ihren Followern, die mir sagen, wie sehr sie Kim vermissen.

„Seid dankbar, dass es euch gut geht.“

Kim war jemand, der sehr echt war. Ich habe es geliebt, ihre Stories zu schauen, denn ich wusste, so wie sie dort ist, ist sie zu Hause auch. Sie erzählt, was sie denkt. Sie hat immer den Wunsch gehabt, die Welt ein bisschen besser zu machen. Manchmal hat sie lustige Sachen erzählt, manchmal hat sie Sachen zum Nachdenken erzählt, das haben die Leute an ihr gewertschätzt.

Diese Social Media- und Instagram-Welt ist ja oft auch etwas oberflächlich. Es geht häufig nur darum, wo ich bin, was ich mir gekauft habe, oder was ich grad esse. Das ist zwar auch schön und ein Teil des Lebens, aber es bringt dich schlussendlich nicht unbedingt weiter in deinem Denken. Kim hat versucht, die Leute anzuregen: „Seid dankbar, dass es euch gut geht. Seid dankbar über all die Menschen, die euch lieben.“

Als sie zur Arbeit ging, war da zum Beispiel ein Obdachloser, der ihr aufgefallen ist, dem hat sie dann Geld gegeben oder manchmal etwas zu essen hingestellt. Und zwar nicht, um sich nach vorne zu stellen, sondern um zu sagen: „Hey Leute, seid aufmerksam. Schaut euch in eurem Umfeld um, was könnt ihr ändern?“

Das hat die Menschen berührt. Deshalb war es für mich wichtig, klar zu kommunizieren und den Leuten die Möglichkeit zum Trauern zu geben. Das ist dann auch passiert.

„Ich war in meiner Trauer nicht alleine.“

Ich wusste zwar, dass diese Nachricht – die ich geschrieben und gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Freundin abgesprochen habe – etwas auslösen würde. Ich weiss, wie viele Menschen ihr beigestanden hatten. Viele waren überzeugt, dass Kim es schaffen wird. Was aber auf ihren Verlust folgte, die Resonanz, die darauf kam, war so gewaltig, wie selbst ich nicht damit gerechnet hatte.

Es hat mich ein Stück durch diese Blase getragen. Ich habe gemerkt, dass ich mit meiner Trauer nicht alleine bin. Die Trauer lastet nicht auf Einzelnen, sondern sie verteilt sich ein wenig. Dass so viele Leute Kim geschätzt hatten, weil sie so war, wie sie war, das hat mir sehr viel bedeutet. Für mich war dann schnell klar, dass ich aufgreifen und weiterführen möchte, was sie aufgebaut hat.

Spürst du sie noch, ist sie bei dir?

Ja.

Sprichst du mit ihr?

Ja. Es sind manchmal ganz banale Momente. Wir hatten gelegentlich eine ganz spezielle Art und Weise, wie wir miteinander geredet haben. Ich glaube, jede Frau hat einen gewissen Ton, wie sie mit ihrem Mann spricht, wenn sie gerne was möchte.

Wir haben hier in Hamburg tatsächlich noch einen Eismann, der durch die Strassen fährt und klingelt, um Eis zu verkaufen. In dem Moment, als er in unsere Strasse fuhr und klingelte, hatte ich sofort ihre Stimme im Kopf.

„Es sind die kleinen Momente, die man plötzlich zu schätzen weiss.“

So blöd es klingt, aber es sind diese kleinen Momente des Lebens, die man plötzlich sehr zu schätzen weiss und die einem so sehr fehlen. Ich fand Kim unglaublich humorvoll, ich konnte sehr lachen, wenn sie so geredet hat. Ich habe den Dialog dann für mich abgesprochen, wie sie mich jetzt dazu überreden würde, rauszugehen und ein Schokoladeneis zu holen.

Diese Momente habe ich immer mal wieder, in denen ich das Gefühl habe, dass sie nicht komplett weg ist. Ich hoffe auch, dass ich das nicht ablegen werde. Gerade auch diese kleinen Momente des Alltags zeigen mir, wie besonders sie für mich war.

Du berührst sehr viele Menschen durch die offene Art, wie du erzählst. Auf Instagram folgen dir mehr als 50’000 Menschen. Wie gehts weiter, was möchtest du damit machen?

Die Betreuung meines Instagram-Kanals ist etwas, was ich nebenbei mache. Aber das ist ganz gut so. Es ist nicht etwas, worum ich mich Vollzeit kümmern könnte, denn es würde mich auffressen. Ich möchte sehr vorsichtig damit umgehen, was ich mir nun zumute.

Mir ist aber wichtig, dass ich hinstehen und sagen kann, dass Brustkrebs, insbesondere bei jungen Frauen. viel zu lapidar von Ärzten aufgenommen wird. Es wird nicht ernst genommen.

„Brustkrebs ist keine Alte-Frauen-Krankheit.“

Jemand hat mir geschrieben, dass sie ihre Ärztin zwingen musste, dass sie sie abtastet, was ich eine Schande finde. „Bei jungen Frauen kommt das nicht so vor…“, hört man dann.

Mag sein! Aber ich habe genug mit jungen Frauen gesprochen, die Kims Schicksal teilten – und teilweise jünger waren als sie. Es ist keine «Alte Frauen-Krankheit». Es ist eine Krankheit, die jede Frau treffen kann. Und das muss ernst genommen werden.

Natürlich war Kim häufig die Jüngste auf der Station und bei den Untersuchungen, aber sie war bei Weitem nicht die einzige.

Du sagst, du seist ein Mensch, der sich sehr stark für Fairness einsetzt. Kannst du akzeptieren, dass das Leben in diesem Fall nicht fair war?

Das hinzunehmen ist das, womit ich am meisten zu kämpfen habe. In meiner Welt hätte Kim es verdient – nach all dem, was sie mitgemacht hat -, weiterleben zu dürfen.

„Ich war ein Unreifer. Kim hat mich reifen lassen.“

Ich weiss, es ist noch sehr frisch, aber kannst du etwas Positives sehen in der Krankheitsgeschichte von Kim?

Ja. Sie hat mich so geprägt, in meiner Art und Weise zu leben und zu denken. Sie hat immer gesagt, bei mir sei das Glas halb leer, bei ihr halb voll. Ich selber würde mich eher als Realisten bezeichnen. Ich versuche, Dinge realistisch zu sehen. Ich habe nicht die rosa Brille auf und sehe alles bunt und schön, sondern ich sehe den Stand der Dinge und so ist das halt. Wir haben uns gut ergänzt.

Ich bin ihr sehr dankbar, denn sie hat mich reifen lassen. Ich war ein Unreifer. Sie hat mir einen wichtigen Schliff in meinem Leben gegeben.

„Wenn du auf eine Wiese gehst, welche Blume nimmst du mit? Die Schönste.“

Vielleicht hilft auch, dir zu vergegenwärtigen, dass ihre Krankheitsgeschichte so viele Menschen berührt hat und dadurch vielleicht andere gerettet werden.

Das ist schon passiert! Ich weiss von einem Mädel, welches ich in Düsseldorf bei einem Charity-Event zu Kims Ehren traf: Bei ihr war es nicht die Brust sondern die Eierstöcke. Wegen Kim ging sie zum Arzt und liess sich checken.

Auch als Kim noch da war, haben Mädels gesagt: „Wegen dir habe ich das jetzt ernst genommen und mich untersuchen lassen.“

Das bringt Kim natürlich nicht zurück, aber es macht es ein kleines bisschen einfacher zu ertragen, wenn man weiss, dass anderen jungen Frauen durch ihre Geschichte das selbe Schicksal erspart wird.

Der schönste Satz, den mir ein Mädchen kürzlich schrieb, der mir in dieser Zeit ein wenig Trost schenkt: „Wenn du auf eine Wiese gehst, welche Blumen nimmst du mit? Natürlich die Schönsten!“

*Seinen Nachnamen möchte Chris nicht veröffentlicht sehen, um sich eine Privatsphäre bewahren zu können. Er heisst nicht «Luder», wie man aus seinem Instagram-Kanal madebyluderchris ableiten könnte.

Chris auf Instagram
Kimspiriert auf Instagram

Anna Maier auf Instagram

Bilder Kim/Chris: ZVG
Bilder Chris: Jessica Kassner

1. Juni 2018
Trauer und Trost – Warum Kims Schicksal alle angeht

Kommentare

  • Tanja
    REPLY

    Einfach nur toll geschrieben. Ich vermisse Kim und ihre ansteckende fröhliche Art. Es war so ein riesengroßer Schock, als Chris die Nachricht von Kims Tod öffentlich gemacht hat. Ich habe zuerst dieses wunderschöne schwarz/weiß Foto gesehen und dachte „sie sieht so hübsch aus“ und ich dachte, es wäre einfach ein „Frohes Neues“ Post! Und dann die ersten 3 Worte…. das hat mich einfach umgehauen und unfassbar erschrocken. Ich weiß nicht wie oft ich „Nein, nein, nein“ nein.. das kann nicht stimmen..nein “ gesagt habe. Es hat mich bis ins Mark erschüttert. Ich kannte sie nicht persönlich, habe aber alles verfolgt.. schon lange vor ihrer Krankheit habe ich ihre YouTube Videos angeschaut. Sie machte ihrem „Namen“ alle Ehre… sie hat einfach inspiriert. Liebe Kim, du bleibst unvergessen…<3

    1. Juni 2018
  • Cathrin
    REPLY

    Was schreibt man nach so einem starken und persönlichen Einblick in solch‘ ein berührendes Schicksal?
    Wen drückt man zuerst???
    Verheult schaue ich mir diese lebensfrohe junge Frau an und kann verstehen, dass niemand geglaubt hat, dass diese scheiß Krankheit siegt. Ich habe auch liebe Menschen an den Krebs verloren und wünsche allen, die um Kim trauern viel Kraft 🙏 Danke für die Thematisierung, das genaue Hinschauen, das ehrliche Erzählen und Zuhören, die Offenheit und das Vertrauen in soziale Netzwerke.

    1. Juni 2018
  • Lisa
    REPLY

    Dieser Artikel drückt so viel Liebe aus und Liebe ist es, was wir in dieser Welt brauchen! Danke Chris, für diese schönen Worte! Wir vermissen dich Kim! 🦁

    1. Juni 2018
  • J
    REPLY

    So ein schönes und berührendes Interview. Es hat mich sehr berührt und mich zum weinen gebracht. Man muss das Leben wertschätzen. Kim hat mit ihrem Leben so einiges mehr bewirkt als manch anderer. Ich hoffe, dass es ihr gut geht, da wo sie ist.

    1. Juni 2018
  • Julia
    REPLY

    Schwierig nach den sehr emotionalen Zeilen die richtigen Worte zu finden.Ich glaube die findet man nicht. Ich kannte Kim nicht aber sie muss eine sehr mutige Frau gewesen sein. Und auch Chris ist ein bewundernswerter Mensch.
    Es ist so schwer jemanden den man liebt gehen zu lassen.Ihm nicht helfen können diese Ohnmacht die man verspürt. Ich kenne das.ich habe meine Eltern bis zum Tod begleitet und jedesmal habe ich gesagt es ist doch viel zu früh.Diese Gedanken „Diese Ungerechtigkeit in meinem Kopf, mit der komme ich ganz schwer zu recht.diese kenne ich zu gut.
    Danke für so einen tollen emotionalen liebevollen Bericht von den beiden.

    1. Juni 2018
  • Caroline
    REPLY

    Und wieder vermisse ich Kim, die jeden Tag zum nachdenken angeregt hat. So wie bei vielen anderen hat auch Kim mich dazu bewegt mehr auf sich selbst zuhören. Nicht gleich immer an die Decke zu gehen u. vorallem auf meinen Körper zu hören. Erst vor einer Woche bekam ich die Ergebnisse eines Knoten in meiner Brust, aufatmen war angesagt. Und trotzdem muss man auf sich aufpassen. So sehr hätte ich es Kim, Ihrer Familie u Freunden gewünscht das sie das Biest besiegt. Und ich glaube fest daran das Kim von oben auf uns alle hinabsieht u stolz ist wie Ihre Message in die Welt getragen wird

    1. Juni 2018
  • Lisa
    REPLY

    Ich hatte die ganze Zeit einen Kloß im Hals beim Lesen. Toll geschrieben! Ich habe Kim´s Profil durch meine Schwester entdeckt und fand Sie gleich ganz toll und ich habe mich immer auf ihre Storys gefreut. Ich denke sehr oft an Kim und an Ihre Worte und ich kann sagen, dass ich auch mehr über die Vorsorge und Früherkennung von Brustkrebs nachdenke und auch bald eine Untersuchung machen möchte um sicher zu gehen. Das Leben kann so schnell vorbei sein und man sollte es viel mehr wertschätzen.

    1. Juni 2018
  • Silvana
    REPLY

    Liebe Anna, mir fehlen die Worte. Welch emotional berührender Bericht. In Wirklichkeit, ist es für mich gerade richtig schwierig…an wen ich zuerst meine Gedanken schenken soll!!? An Kim diese junge Frau..an Chris der so wundervoll bei ihr war und ist…oder Dir?
    Danke Anna, trotz der Tränen die gerade kullern.

    1. Juni 2018
  • Ines Jana
    REPLY

    Was für ein bewegendes, ehrliches Interview..ich bin Kim schon lange vor Ihrer Krankheit bei Youtube und Instagram gefolgt und war die ganze Zeit fest der Meinung, dass sie diese Krankheit besiegt.
    Es zerreißt mir das Herz, wenn Chris von den letzten Stunden berichtet. Manchmal schaue ich mir ein älteres Video von Ihr an, um Ihre Stimme nicht zu vergessen.
    Ja Kim hat viele Menschen bewegt und durch Ihren offenen, ehrlichen Umgang mit der Krankheit auch viele zum Nachdenken angeregt. Das Leben schätzen, auf seinen Körper achten und die Augen für das Schicksal von Mitmenschen ofgen zu halten . Oft denke ich auch an Ihre starke Mutter, ich habe selbst eine Tochter in Kims Alter und diese zu verlieren, wäre für mich nicht zu ertragen.
    Danke für dieses authentische Interview und weiter viel Kraft für Chris, die ganze Familie und Ihre Freunde.

    1. Juni 2018
  • Beat Merki
    REPLY

    Ein sehr eindrückliches und vor allem zu Herzen gehendes Interview. Was für ein Schicksal, da sieht man die Probleme welche einem beschäftigen von einer ganz anderen Perspektive an. Irgendwie finde ich gar keine Worte, mich hat das tief berührt und erweckt in mir starke Gefühle da ich weiss was es bedeutet einen lieben Menschen in so jungen Jahren zu verlieren. Ich selber musste vor sehr langer Zeit damals von meiner geliebten Schwester, die mit nur 26 Jahren nach einem Unglück verstorben ist, Abschied nehmen und wenn ich das alles hier lese kann ich sehr gut nachfühlen was in Chris vorgeht.
    Danke Anna für einmal mehr Dein einfühlsames Interview das Du so schön niedergeschrieben hast. Liebe Grüsse an Dich! Beat

    1. Juni 2018
  • Anne
    REPLY

    Danke, dass du und Chris uns daran teilt haben lässt. Das Interview ist wunderschön und zugleich liefen mir Tränen über das Gesicht. Vielen Danke

    1. Juni 2018
  • Anja
    REPLY

    Vielen Dank Anna und natürlich auch vielen Dank Chris. Was für bewegende und ehrliche, berührende, aber auch bedrückende Zeilen. Ich bin Kim auch schon sehr lange auf Instagram gefolgt und hab mich von ihrer frischen offenen Art immer wieder inspirieren und mitreissen lassen. Auch der Umgang mit ihrer Diagnose hat mich tief beeindruckt. Ich habe keinen Gedanken daran verschwendet, dass Kim es nicht schaffen könnte. Das was sie für alle hinterlassen hat wird noch lange nachwirken!

    1. Juni 2018
  • Sabrina
    REPLY

    Danke für diesen Einblick in eine furchtbare Zeit des Verlustes! Es ist wahnsinnig schön zu sehen, wie die Familie von Kim, ihre Freundinnen und Chris zusammenhalten! Ich folge Kim schon länger, sie war für mich tatsächlich eine tägliche Inspiration, ich vermisse sie wahnsinnig! Die lustigen, ehrlichen und nachdenklichen Stories waren der Hammer!
    Jedes mal wenn ich etwas sehe was mich an sie erinnert, zeigt mir, dass sie die Insta und auch die ‚normale‘ Welt geprägt hat.
    Danke für dieses einfühlsame Interview, viel Kraft weiterhin und denkt dran – ALL WE HAVE IS NOW!

    1. Juni 2018
  • Martina Weigel
    REPLY

    Was für ein schönes Interview……Anna, danke für den sensiblen Umgang mit dem Schicksal von Kim und Chris. Nicht oft liest man in dieser Qualität, was aber bestimmt auch an der offenen und tiefgründigen Art von Chris liegen mag!
    Auch ich bin Follower und habe den schweren Weg der Beiden verfolgt, auch ich bin ein „halb voll“ Mensch, auch ich habe immer an einen positiven Ausgang geglaubt…… und dann kam der 1. Januar.
    Ich bin froh, dass Chris sich so aufgefangen fühlt- auch von uns Menschen, die ihm nicht persönlich bekannt sind und dass Internet tatsächlich auch gute Seiten haben kann. Den Schmerz kann keiner nehmen, doch es ìst tröstlich, dass Kim soo viel positive Energie und ihm eine Aufgabe hinterlassen hat, die vielleicht etwas bei der Trauerbewältigung hilft. Ich wünsche es ihm, Kims Familie und dem Kleeblatt. Der Schmerz wird nie ganz vergehen aber besser – bestimmt! Die Löwin hat so viele Menschen inspiriert und so entwickelt sich vielleicht aus dem Verlust etwas Großes Positives <3
    Tina

    1. Juni 2018
  • Jessica
    REPLY

    Was für eine berührende Geschichte!
    Sie ist mir wirklich sehr ans Herz gegangen und mir sind Tränen über die Wangen gelaufen.
    Ich wünsche allen Angehörigen viel Kraft.
    Alles Liebe!

    2. Juni 2018
  • AC
    REPLY

    Toller Artikel, tolle Bilder, großes Kompliment für gefühlvolle, vorsichtige Fragen, die dennoch in hoch persönlichen Antworten resultieren…. großartige, journalistische Leistung!

    3. Juni 2018
  • Sabrina
    REPLY

    Dieser „Artikel“ fühlt sich so eindringlich an, dass ich ihn gar nicht als solchen bezeichnen möchte. Ich empfinde ein tiefes Mitgefühl, dass mich in Gedanken versinken lässt und doch fühle mich gleichzeitig wachgerüttelt. Die Niederschrift eures Gesprächs ist genauso „echt“, wie die Tränen, die sie mir über die Wangen laufen lässt. Wahnsinn..
    Viel Kraft für Chris und Kims Familie und Danke für das teilen eures Gesprächs mit uns. Alles Liebe

    4. Juni 2018
  • Mia
    REPLY

    Wow… diese ehrlichen und reinen Worte rühren mich zu Tränen. Kim hat stark gekämpft und Chris stand vor ihr. Ich find es unheimlich toll, was Kim bewegt, dass so viele ihrem Aufruf folgen, auch ich! Man kann alles haben aber ohne Gesundheit ist alles nichts! Ich finde es fantastisch, was in die Welt getragen wird. Ich wünsche Chris, Kims Mama und der gesamten Familie auch weiterhin von Herzen, dass eine Zeit kommen wird an dem die Sonne wieder scheint.
    Sie ist bei euch !

    5. Juni 2018
  • Katrin Kikillus-Schroedter
    REPLY

    Ich habe die Geschichte gelesen. Es ist unglaublich, was diese junge Frau erlebt, durchlebt und hinterlassen hat. Ich bin keiner der Follower,welche Kim begleitet haben. Ich bin erst jetzt darauf gestoßen. Für Kims Familie, Freunde und Bekannte, wünsche ich alle Kraft dieser Welt. Ich weiß, wie Sie sich fühlen. Ich habe selbst liebe Menschen und meinen Vater durch Krebs verloren, und bin selbst 1998 an Morbus Hodkgin erkrankt. Ich weiß also persönlich, wie es ist,wenn die eigene Welt auf einmal Kopf steht, und nichts mehr ist,wie es war. Was mich beeindruckt ist die Erzählung der ganzen Ereignisse aus der Sicht und Empfindung des Partners. Da einem selbst in der Situation die Menschen, die einen beistehen, dass natürlich nicht sagen. Viele Bekannte wissen nicht mal, wie Sie es ansprechen, beziehungsweise aussprechen sollen. Andere ziehen sich komplett zurück. Krebs ist in unserer Gesellschaft immernoch ein Tabuthema. Das finde ich persönlich schlimm. Krebs kennt kein Alter. Ich habe Kinder gesehen, die schon um ihr Leben kämpfen mussten. Auch ich bekam damals die dumme Antwort vom Arzt,ich bin noch zu jung für Krebs. Im Laufe der Jahre habe ich mich immer wieder gefragt, woher solch naive Aussagen von Ärzten kommen. Ich finde die Geschichte, das Schicksal und die offene Ehrlichkeit hier sehr berührend. Es hat mir jeden Moment meines Kampfes gegen den Krebs wieder vor Augen geführt. Ich bin froh und dankbar, dass ich den Kampf geschafft habe. Ich schreibe absichtlich nicht gewonnen. Diese Erfahrung in meinem Leben hat mich verändert. Leben ist kostbar und jeder sollte es nutzen, schätzen und nicht für selbstverständlich nehmen. Ich bin dankbar, diese Geschichte gefunden zu haben. Es macht einem nochmal klar,wie wichtig die kleinsten Dinge im Leben sind. Und Kim kannte ich zwar nicht, aber Sie hat große Fußabdrücke im Leben hinterlassen. Sie war eine tolle, bemerkenswerte und kämpferische junge Frau.

    5. Juni 2018
  • Heike
    REPLY

    Das ist mit eines der ehrlichsten und authentischsten Interviews die ich lesen durfte.

    Die Frage was wäre wenn darf man (Chris) sich nicht stellen. Es ist ein Segen einen Partner zu haben, der immer präsent und einfach da ist. Für den gesunden Partner bedeutet dies Mut und zeugt von Stärke. Ich selbst habe diese Erkrankung überstanden und hatte auch einen Mann an meiner Seite, der durch alle Höhen und Tiefen mit mir gegangen ist.

    Lieber Chris, Du bist ein bemerkenswerter Mensch und ich bin sicher, dass Du das kurze Leben von Kim sehr bereichert hast. Ohne Dich wäre es bestimmt trostloser für sie gewesen.

    Alles Liebe und viel Kraft für die weitere Zeit.

    5. Juni 2018
  • Astrid
    REPLY

    Sprachlos – zunächst ein Danke für dieses tolle Interview.
    Lange Zeit verfolgte ich Kims Geschichte, hatte dann keine Kraft mehr hierfür, weil ich es als dermaßen unfair empfand, dass sie sterben musste. Ich hab es kaum mehr ertragen können und mich von Instagram abgemeldet. Nun, knapp 4 Monate später, habe ich dieses Interview hier entdeckt.
    Es hinterlässt feuchte Wangen, ein leeres Herz – doch etwas bleibt. Zuversicht, sich-selbst-treu-sein, Aufmerksamkeit für sich und andere und insbesondere eines: unendlich viel Liebe.

    Sie war alles für ihn, Nord/Ost/Süd und West. Das klingt nach, in jedem seiner Worte.
    Ich wünsche Chris von Herzen nur das Beste.

    6. Juni 2018
  • Cervera
    REPLY

    Ein sehr inspirierendes Interview. „Ich war ein unreifer…“ finde ich sehr berührend und toll reflektiert.
    Ich habe meinen Partner verloren, er war 35 Jahre alt und wir konnten uns nicht verabschieden. Er ist an einer Aneurysmaruptur verstorben. Es hört sich eventuell merkwürdig an, aber mir wäre eine unheilbare Krankheit lieber gewesen. Das voneinander Abschied nehmen ist sehr sehr wichtig, auch wenn der Schmerz unerträglich scheint. Chris wünsche ich alles Gute und er wird sicher einen Weg finden mit der Endgültigkeit zu leben.

    9. Juni 2018

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind gekennzeichnet durch *

YouTube aktivieren?

Auf dieser Seite gibt es mind. ein YouTube Video. Cookies für diese Website wurden abgelehnt. Dadurch können keine YouTube Videos mehr angezeigt werden, weil YouTube ohne Cookies und Tracking Mechanismen nicht funktioniert. Willst du YouTube dennoch freischalten?